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Militär: Auf dem falschen Weg

Militär : Auf dem falschen Weg

Zum Artikel „Die Amerikaner haben andere Pläne“ (TV vom 9. März) schreibt Rudolf Kiefer:

Mir stellen sich die Nackenhaare, wenn ich lese, dass sogenannte Volksvertreter anlässlich der Verschiebung der Verlegung von amerikanischen Truppen von England nach Spangdahlem von einem „herben Rückschlag“ (Nico Steinbach) oder von einer „Schwächung“ der Region (Dennis Junk) reden.

Ich frage mich, was in den Köpfen dieser Leute vorgeht. Angesichts der Abstürze von zwei Militärmaschinen unweit von bewohnten Dörfern (2006 Oberkail, 2019 Zemmer-Rodt), bei denen es lediglich dem Glück und keineswegs fliegerischem Können zu verdanken war, dass niemand verletzt oder getötet wurde, setzen sich diese Politiker – denen es offenbar nur um wirtschaftliche Interessen und nicht um die Gesundheit derer geht, von denen sie gewählt werden wollen – dafür ein, die Gefährdung der Bevölkerung noch zu erhöhen! Anstatt sich für eine Reduzierung des Flugbetriebs (idealerweise die Schließung der Anlage) einzusetzen, fordern sie, das Truppenkontingent noch weiter aufzustocken und damit einhergehend noch mehr Gefährdung, Lärmbelästigung, Luft- und Bodenverschmutzung. Jetzt wird wahrscheinlich das alte Totschlagargument ins Feld geführt, dass mit der Schließung der Anlage wichtige Arbeitsplätze verlorengehen und auch sonstige wirtschaftliche Nachteile für die Bevölkerung entstehen. Die Frage ist allerdings, ob die Verhinderung dieser Folgen es rechtfertigen, wenn beim nächsten Absturz eine Maschine auf bewohntem Gebiet niedergeht und dabei Menschen verletzt und/oder getötet werden. Dann werden genau die Politiker (und damit sind nicht nur die beiden oben Genannten gemeint), die heute vehement eine Vergrößerung des Flugplatzes fordern, mit angeblichem Mitgefühl für die betroffenen Hinterbliebenen medienwirksam schwülstige Reden halten, wie sehr sie doch den Tod der Betroffenen bedauern, und dass man ihrer immer gedenken wird. Welch grenzenlose Heuchelei.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob man die Gelder, die die Bundesrepublik für den unsinnigen Ausbau des Flugplatzes in Spangdahlem und für die Finanzierung der ausländischen Streitkräfte zur Verfügung stellt, nicht sinnvoller für die von der Schließung militärischer Anlagen Betroffenen zur Verfügung stellt.

Rudolf Kiefer, Oberkail