Aufbruch, nicht Abbruch

Zum Kommentar "Ab in die Schublade damit" (TV vom 12./13. Februar):

Das Memorandum der Theologieprofessoren hat den Titel "Kirche 2011: ein notwendiger Aufbruch". Ich sehe das genauso. Ein Aufbruch ist notwendig. Und Aufbruch bedeutet nicht Abbruch. Aufbruch bedeutet nach meinem Verständnis, sich auf den Weg machen. Und zwar von dem Ort aus, an dem man sich gerade befindet. Wer aufbricht, wirft nicht automatisch alles über Bord, was sein Leben bis jetzt bestimmt hat. Aber wer aufbricht, spürt auch, dass es Zeit wird, sich auf den Weg zu machen. Er hat ein Ziel vor Augen und versucht, dieses zu erreichen. Dass es hier um ein Ziel geht, das nicht an einem Tag zu erreichen ist, ist mir völlig klar.

Ich habe in einer Zeit Theologie studiert, in der die Gedanken des II. Vatikanischen Konzils sehr lebendig waren. Eine wesentliche Aussage war für mich immer der Gedanke des Volkes Gottes auf dem Weg durch die Zeit.

Es ist nicht Aufgabe von Kirche, jeden Zeitgeist mitzumachen. Aber es ist Aufgabe von Kirche, den Menschen jeder Zeit die frohe, befreiende und lebendige Botschaft Jesu zu verkünden. Antworten auf die Fragen der Menschen jeder Zeit zu suchen und um neue Wege in neuen Situationen zu ringen. Das geht nur gemeinsam! Das geht nur, wenn wir zum Dialog bereit sind. Wenn wir fähig sind, auch für uns selbst um den richtigen Weg zu ringen. Es kann nicht sein, dass die Wahrheit und der "richtige" Weg nur von Männern bestimmt werden. Es kann auch nicht sein, dass die letzten Entscheidungen über den "richtigen" Weg nur von Männern getroffen werden, die sich zur Ehelosigkeit entschieden haben. Es muss ein neuer Weg des Dialogs und der Mitbestimmung gefunden werden. Und zwar mit all den Menschen, die auch Kirche sind und sein wollen. Mit ihrer unterschiedlichen Spiritualität, Lebensform und Verantwortung. Das wird ein bunter, lebendiger und spannender Weg. Artikel wie der von Andreas Wollbold helfen da leider nicht weiter. Diffamierungen und Unterstellungen führen sich selbst ad absurdum. Da hilft vielleicht eine Reha-Maßnahme in einer Klinik für Dialogfähigkeit.

Hubertus Kesselheim, Traben-Trarbach

katholische kirche