Aus Freude an der Randale

Zum Artikel "Studentenbewegung in neuem Licht" (TV vom 23./24. Mai):

Zu Beginn der Studentenproteste war ich Angehöriger der NVA (DDR-Streitkräfte). Auf dem Sportplatz, da abhörsicher, habe ich mit verlässlichen Kameraden über die 68er diskutiert. Wir waren einhellig der Meinung, so dumm beziehungsweise auf einem Auge blind kann doch auch die linke westdeutsche Studentenschaft nicht sein.

Einerseits zieht man mit den Rufen "Ho-Ho-Ho-Chi-Minh" oder "Mao, Mao, Mao" durch die Städte, lässt also sozialistische Massenmörder hochleben, andererseits werden (west)deutsche Polizisten verprügelt und mit Steinen beworfen, nur weil der Schah zu Gast ist.

Ein großer Prozentsatz der Demonstrierenden war sicher aus Freude an der Randale dabei (siehe alljährlich 1. Mai), die Rädelsführer zumindest wurden doch vom langen Arm der Stasi geleitet. Nein, Beweise gibt es noch nicht, es warten ja auch noch viele Kilometer Akten auf ihre Auswertung. Dass die Stasi auch auf der Seite der Polizei ihre Finger mit im Spiel hatte, überrascht mich jetzt schon. Wie ich in einem Kommentar gelesen habe, wurde die Akte des Kurras "ausgedünnt", das heißt, der Mordbefehl ist natürlich verschwunden.

Um eine strafrechtliche Verantwortung sollten sich in diesem Staat weder Kurras noch seine Auftraggeber Sorgen machen. Frei nach Norbert Blüm: Die hohe Rente ist ihnen weiterhin sicher. Staatsgefährdend wird es erst, wenn eine Verkäuferin 1,30 Euro Flaschenbon nicht abrechnet.

Rainer Pöhland, Konz

Zeitgeschichte

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