Bahn

Zur Berichterstattung über den Streik der Lokführer und die Folgen diese Meinungen:

"Wir lassen nicht über Grundrechte schlichten", das ist die Kernaussage von Claus Wesels ky, dem Chef der Gewerkschaft der Lokführer (GDL). Und genau darum geht es. Die Freiheit, eine Gewerkschaft zu bilden und einen Streik zu führen, auch wenn sie noch so klein ist, ist in Artikel 9 der Verfassung garantiert. Wenn sich die GDL jetzt auf einen falschen Kompromiss einlässt, wird diese Freiheit keinen Bestand haben. Würde sich die GDL auf eine Schlichtung einlassen, wäre die Eigenständigkeit aufgeweicht und sie von der großen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kaum noch zu unterscheiden. Genau dies will die Deutsche Bahn AG mit freundlichen Angeboten und Rückenwind von der Bundesregierung. Eine Gewerkschaft, die nichts anderes erreicht als ihr großer Konkurrent, braucht man nicht mehr, sie landet in der Bedeutungslosigkeit. Genau das will die Bundesregierung unter großem Beifall des Deutschen Gewerkschafts-Bundes. Der Tarifvertrag mit der größeren Gewerkschaft würde das Aus für alle kleinen Gewerkschaften bedeuten. Unter Berufung auf Artikel 9 wollen die kleinen Gewerkschaften vor dem Bundesverfassungsgericht mit sehr guten Aussichten klagen, weil der Grundsatz der Gleichbehandlung eklatant verletzt wird. Diese Tarifrunde ist die letzte Chance, der Entrechtung zu entgehen. Die jetzigen Streiks wurden willkürlich von der DB AG und der Bundesregierung provoziert. Dass ausgerechnet eine SPD-Bundesarbeitsministerin die Entrechtung per Gesetz betreibt, zeigt, wie weit sich die SPD von den Arbeitnehmern entfernt hat. Liebe Lokführer, haltet durch, es geht um garantierte Freiheit, die auf dem Altar der Finanzindustrie geopfert werden soll! Hans Jörg Frieden, Trier Die ersten LKW ohne Fahrer laufen Probe. Selbstfahrende Autos sind in der Entwicklung. Für die Ingenieure sind Schienenfahrzeuge ohne Lokführer eine Kleinigkeit. Die jetzige Streikwoche hebt die Dringlichkeit auf eine neue Ebene. Die Selbstverherrlichung von Claus Weselsky nähert sich dem Ende und wird mit jedem Streik der Lokführer beschleunigt. Karl-Heinz Keiser, Thomm Die Bahn AG hat kürzlich angekündigt, ihr Fernverkehrsangebot bis 2030 komplett neu aufzustellen. Das war im Volksfreund zu lesen und zum Beispiel auch in der Zeitschrift "Züge". Demnach soll "nahezu jede" deutsche Stadt mit über 100 000 Einwohnern mindestens zweistündlich angebunden werden. Ob "nahezu" auch die Moselstrecke zwischen Trier und Koblenz abdeckt? Angesichts der Streiks mag man es kaum glauben - aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Paul R. Woods, Neumagen-Dhron