1. Meinung
  2. Leserbriefe

Fußball: Beleidigend, verletzend, respektlos

Fußball : Beleidigend, verletzend, respektlos

Zum Leserbrief „Beschämend“ (TV vom 16. Januar) und zur Gold-Steak-Affäre von Bayern-Spieler Franck Ribéry schreiben Stefan Nehren und Gudrun Gasper:

Die Zuschrift von Klaus Weiler hat mir zu denken gegeben. Franck Ribéry ist in sehr einfachen Verhältnissen großgeworden. Als Zweijähriger wurde bei einem Autounfall sein Gesicht verletzt. Von daher rühren noch heute seine Narben. Er hat in jungen Jahren, neben seinem Fußball, als Bauarbeiter gearbeitet, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Letztlich hat er es geschafft, sich durch den Profifußball und sein Talent  nach oben zu spielen. Verleugnet hat er seine Herkunft nie. Im Gegenteil, er weiß ganz genau, wo er herkommt und wie hart man für sein Geld arbeiten muss.

Herr Weiler, Sie beleidigen einen Menschen, den sie nicht kennen und der durch seine Äußerungen ein gefundenes Fressen für den reißerischen Billigjournalismus ist. Seine Geldstrafe hat er nicht für den Verzehr des Gold-Steaks erhalten, sondern für seine Äußerungen danach, gegen Menschen, die seine Familie und ihn tagtäglich angreifen, beleidigen und verletzen. Darauf hat er reagiert, sicherlich in einer nicht gesellschaftlich konformen Art. Die Geldstrafe, die er erhalten hat, wird für soziale Zwecke genutzt. Das sind die üblichen Gepflogenheiten in den Vereinen. Folglich hat diese verbale Entgleisung auch etwas Gutes.

Zwei Fragen an Sie, Herr Weiler: Wo war Ihr Aufschrei, als Lionel Messi, Paul Pogba, die gesamte Mannschaft von Manchester United oder Leonardo di Caprio sich in diesem Restaurant vor einem Berg von Fleisch haben ablichten lassen? Wo war Ihr Aufschrei, als sich Cristiano Ronaldo vor kurzem zwei Flaschen Wein für insgesamt 31 000 Euro gegönnt hat?

Jetzt schämen Sie sich als Bürger dieses Landes über das mit Gold überzogene Steak von Franck Ribéry und prangern diese Dekadenz an. Welch eine Doppelmoral! Aber wie heißt es doch so schön: Neid muss man sich verdienen, Mitleid bekommt man umsonst! Menschen, die in unserem Land erfolgreich arbeiten, werden häufig mit Neid bedacht.

Von Franck Ribéry mag man halten, was man will, er ist sicherlich kein Kind von Traurigkeit, aber ein Grundmaß an Respekt verdient jeder Mensch. Er unterstützt mit seinen jährlichen Einnahmen sehr viele soziale Projekte und gibt mit seinen Spenden den Menschen somit vieles zurück, was unter anderem auch andere prominente Sportler und Menschen aus der Gesellschaft tun.

Stefan Nehren, Berglicht

Ja, sehr, sehr beschämend, finde auch ich dieses protzige Benehmen, nicht nur im Hinblick auf hungernde und sterbende Menschen in der Dritten Welt, sondern auch gegenüber Menschen, die an den Tafeln anstehen müssen, weil ihr Einkommen hinten und vorn nicht reicht.

Solche Affären, auch in der Vergangenheit und gerade in Fußballspielerkreisen, werden immer wieder mal publik, weil man ihnen die Euros in Millionenhöhe in den Rachen wirft. Die Summen sind skandalös und absolut nicht gerechtfertigt. Da tragen wir Zuschauer und somit die Einschaltquoten auch eine Mitschuld.

Dennoch: Ich bin kein Bayern-Fan und Sie, Herr Weiler, mit Sicherheit auch nicht. Aber Ihre Äußerungen  über Frank Ribéry im Hinblick auf sein Aussehen sind beleidigend, verletzend, diskriminierend und menschenunwürdig.

Frank Ribéry hatte als Kind einen sehr schweren Unfall, seine Narben im Gesicht sind, so viel ich weiß, darauf zurückzuführen. Scheußlich, ihn als ein „widerliches Männlein“ zu bezeichnen und zu raten, ihn in einer „Geisterbahn“ weiterzubeschäftigen.

Gudrun Gasper, Thalfang