Bessere Bedingungen, faire Bezahlung

Leserbrief : Bessere Bedingungen, faire Bezahlung

Soziales

Zum Artikel „Neue Pflegeschule in alten Räumen“ (Trierischer Volksfreund vom 5. November) schrieb uns Leser Georg Krämer aus Bernkastel-Kues folgenden Leserbrief:

Ja, Luxemburg zahlt höhere Löhne, dass ist es jedoch nicht alleine, weshalb der Pflegeberuf in Deutschland nicht attraktiv ist. Es sind neben der Bezahlung auch die Rahmenbedingungen, die den potenziellen Nachwuchs davon abhalten, den Pflegeberuf zu ergreifen.

Eine Auswahl von Beispielen:

Erstes Beispiel: In Deutschland ist es bis dato so, dass es für die Krankenpflege eine Ausnahmeregelung für die Nachtarbeitszeit gibt. Die Ausnahmeregelung im Arbeitszeitgesetz besagt: „Die Dauer der Ruhezeit (elf Stunden) des Absatzes 1 kann in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen zur Behandlung, Pflege und Betreuung von Personen um bis zu eine Stunde verkürzt werden kann“ (Textauszug).

Das bedeutet in der Praxis, dass eine Pflegekraft bis 20.30 Uhr Spätdienst hat und morgens um 6 Uhr wieder zum Frühdienst vor Ort sein muss. In Luxemburg beispielweise haben die Pflegekräfte nach dem Spätdienst einen Tag frei und fangen dann wieder mit Frühdienst an.

Zweites Beispiel: Nach dem Nachtdienst zählt die restliche Zeit dieses Tages als Ausschlaftag, obwohl die Pflegekraft, wenn sie zum Beispiel um 6 Uhr morgens Dienstschluss hat, rein rechnerisch schon sechs Stunden gearbeitet hat. Das heißt: Es kann sich am darauf folgenden Tag ein Frühdienst anschließen. Es gibt also keine angemessene Erholungsphase.

Nach dem deutschen Arbeitsrecht ist das legal. Würde die besagte Pflegekraft länger freimachen, hätte sie Minusstunden. Hinzu kommt, dass viele Pflegekräfte ja auch noch im Drei-Schicht-Dienst und am Wochenende sowie feiertags arbeiten müssen, was den Beruf auch nicht gerade attraktiver macht.

Selbstredend ist eine angemessene Bezahlung unbestritten, auch Pflegekräfte müssen von ihrer Arbeit leben und Rechnungen bezahlen.

Wenn sich jedoch an den Rahmenbedingungen nichts ändert – und da sehe ich die Pflegekammer Rheinland-Pfalz als berufsständige Vertretung sowie die Politik in der Pflicht –, wird es weiterhin einen Mangel an Pflegekräften geben.

Bei weiterhin unveränderten Rahmenbedingungen können hier auch Pflegekräfte aus dem Ausland, mittel und langfristig, keine Änderung an dem Pflegemangel in Deutschland herbeiführen.

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