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Gesundheit: Besserwisserei hilft niemandem

Gesundheit : Besserwisserei hilft niemandem

Zum Artikel „Ex-Ärztechef kritisiert Impfpolitik: Zu langsam und falsche Priorität“ (TV vom 9. Februar) schreiben Hans Hardt und Monika Brost:

Selbst als Akademiker sollte man die Form wahren. Es wird fast jeden Tag über Corona berichtet. Wahrheit, Glaube, Ärger, aber auch persönliches Engagement finden Widerhall. Ärzte, Pfleger und Betreuer leisten oft übermenschliche Arbeit. Jeder an seinem Platz ist gefordert. Danke!

Politisch ist nicht alles richtig gemacht worden, aber bei allem Tadel sollte und muss man berücksichtigen, dass keiner Erfahrungen hatte mit der Bewältigung einer solchen Pandemie und den sich daraus ergebenden Problemen.

Die Ausführungen des Hausarztes Dieter Everz halte ich in diesem Kontext für unangebracht und teils beleidigend. Er sagt, dass unsere Regierung bei der Beschaffung des Impfstoffs „Sch… gebaut“ hat – das ist schon von der Redewendung her eine Unverschämtheit.

Zum Minister Jens Spahn ist festzustellen: Er hatte die schwierige Aufgabe, den Bürgern kurzzeitig wechselnde Situationen darzustellen. Steigende Infektionszahlen, Lieferengpässe, Einschränkungen und vieles mehr. Ihm zu unterstellen, er habe nicht das Wohl der Bürger im Blick gehabt, ist beleidigend, und ihn für sterbende Menschen verantwortlich zu machen, ist übelste Polemik.

Es war auch erkennbar, dass es Pannen gab. Zum Beispiel wäre das Impf-Anmeldeverfahren zu überprüfen. Das Auswahlverfahren transparenter zu gestalten und einiges mehr.

Es ist eine schwierige Zeit. Vorwürfe, Besserwisserei, Beleidigungen, Zweifel, Halbwahrheiten und dergleichen sollten wir vermeiden. Fehler sind menschlich, manchmal ist Kehren vor der eigenen Tür am besten.

Das persönliche Schicksal von Frau Everz ist bedauerlich, es tröstet auch nicht der Hinweis, dass es vielen Menschen so wie ihr ergeht. Wie wollen wir es den Menschen sagen: Maske tragen, Abstand halten, Fremde meiden.

Hans Hardt, Trier

Als chronisch Lungenkranke und mit nur einer ordentlich funktionierenden Niere zusätzlich zu mehreren anderen seltenen Gebrechen möchte ich mich dann doch auch mal zur Impfpolitik und zur Prioritäten-Liste äußern. Dieter Everz ist vor langer langer Zeit mein Hausarzt gewesen, und wenn es ihn nicht gegeben hätte, wäre ich schon tot. Dankeschön nochmal dafür. Jetzt aber zur Politik: Dass man zuerst die Oldies impft, ist ja in Ordnung, aber es wäre sinnvoller gewesen, erst das Pflegepersonal, wie Altenpfleger/innen, Krankenschwestern, und -pfleger, Ärzte/innen zu impfen. Diese stehen an vorderster Front und sind auch im schlimmsten Fall Überträger.

Aber man kann ja nicht in Politikerköpfe hineinschauen, und da ja auch nicht nur einer entscheidet, der vielleicht ein bisschen Ahnung hätte, sondern viele „Köche den Brei verderben“, war es abzusehen, dass in einer (schon lange erwarteten) Pandemie so manches schief läuft.

Das ist das Gleiche wie mit dem Lockdown. Hätte man von Anfang an länger und früher alles runtergefahren und nicht auf das Gejammer gehört, wären wir durch. Wahrscheinlich.

Warum lernt niemand aus den Fehlern vergangener Pandemien, deren gab es zu Genüge. Wenn jetzt wieder zu früh alles öffnet und sich wieder jeder zum Feiern treffen kann und in der Welt herumgondelt, dann kommt die dritte Welle. Sicher.

Seit einem Jahr lebe ich in ständiger Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 und werde das wohl auch noch länger aushalten müssen. Somit bleibe ich im persönlichen Lockdown und bin meinem Arbeitgeber äußerst dankbar für das Arbeiten im Home-Office.

Mein Appell an alle, die jammern: Hört auf damit, Po zusammenkneifen für ein paar Monate noch, Covid ist kein Spaß und es gibt nichts Wichtigeres als die Gesundheit. Mit Geld kann man sich die nicht kaufen.

Monika Brost, Wallenborn