Beton-Moral

Zum Leserbrief "Das Problem heißt Kapitalismus" (TV vom 11. Oktober):

Die Thesen von Herrn Weiland sind ebenso durchsichtig wie überholt. Sicher ist wohl, dass ein ungezügelter Kapitalismus in die Hände von wenigen spielt, für das Gesindel bleiben nur Brosamen übrig. Die Offenbarung dieser Tatsache erleben wir gerade. Ebenso sicher ist aber auch, dass dessen Gegenteil, nämlich der rigorose Sozialismus, ebenso wenig zum Wohle der Menschen beiträgt. Wir haben diesen auch gehabt und wissen um die Unzulänglichkeiten dieser Utopie. Wobei anzumerken ist, dass mit "Utopie" keineswegs ein erstrebenswerter Zustand gemeint ist.

Wie Freiheit, Wohlstand und Demokratie Irrtümer sein können, weiß offenbar nur Herr Weiland - und entlarvt seine Argumentation. Er findet wohl deren Umkehr als erstrebenswert, wahrscheinlich, um seine eigene Beton-Moral über die Menschheit ausgießen zu können. Er verwendet den Begriff "Gier" mehrmals, stets mit negativer Konnotation.

Ich denke, dass Gier eine durchaus positive Eigenschaft sein kann, wenn es Gier auf Freiheit, Wohlstand und Demokratie bedeutet, natürlich ohne dass die Rechte anderer dabei unter die Räder geraten. Und gerade dies ist jetzt passiert, der Wohlstand von vielen wurde hemmungslos ausgebeutet, um den eigenen Wohlstand noch mehr anzuheben, mit den bekannten Folgen.

Nein, die Antwort liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen. Kapitalismus ja, aber unter strengen und anwendbaren Regeln. Nur so sind der Wohlstand und dessen Begleiter - Freiheit und Demokratie - der breiten Basis zu ermöglichen.

Wir sind noch in Gefahr, diese zu verlieren. Wir müssen vorsichtig sein, dass die Philosophie, die Herr Weiland vertritt, nicht als gangbare Alternative gesehen wird.

James Doddridge, Trier

Finanzkrise