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Bierdeckel teurer als Gerste

Bierdeckel teurer als Gerste

Deutsches Bier hat weltweit einen guten Namen, weil das deutsche Reinheitsgebot einzigartig in der Welt ist. Gedankenspiele zur Aufgabe dieses Reinheitsgebotes werden unsere Biertrinker nachhaltig verunsichern.

Für den Einsatz von Mais und Reis steigende Rohstoffkosten anzuführen, entbehrt zusätzlich jeder vernünftigen Grundlage. Denn diese liegen zur Zeit dramatisch unter dem Preis von vor 20 Jahren, als der Landwirt für eine Tonne Braugerste 440 Mark erhielt, während er heute für Vertragsware höchstens 120 Euro bekommt. Freie Ware ist zur Zeit mit 160 Euro pro Tonne durchaus höher bezahlt, wenngleich auch dieser Preis nicht kostendeckend ist. Der Anteil der Rohstoffkosten für ein Glas Bier (0,2 Liter) beträgt zur Zeit gerade einmal 0,6 Cent! Ein Bierdeckel kostet etwa 3,5 Cent, das sind fast drei Cent mehr als der Wert der Gerste in einem 0,2-Liter-Glas Bier. Selbst die Biersteuer mit 1,7 Cent ist rund dreimal so hoch wie der Kostenanteil der Braugerste. Diese Tatsachen muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die Rohstoffkosten können daher für eine Abkehr von der Braugerste, hin zu günstigeren Getreidearten keine Rolle spielen. Hinzu kommt, dass die extrem hohen Werbeausgaben, zum Beispiel auch der Bitburger Brauerei, in keinem Verhältnis zu den Braugerstenpreisen stehen. Die deutschen Biertrinker lieben ihr Bier. Nicht ohne Grund kommen Importbiere in Deutschland kaum zum Zuge. Den heimischen Konsumenten ist ihr Bier und ihr Reinheitsgebot etwas wert. Wer dieses Reinheitsgebot aufs Spiel setzt, darf sich dann nicht wundern, wenn Importbiere stärkeren Absatz finden werden. Wer Reis aus China oder Japan importieren will oder Mais aus Frankreich, trägt Mitverantwortung an dieser Entwicklung. Norbert Thiex-Mayer, Vorsitzender der Getreideerzeugergemeinschaft Eifel, Hüttingen/Lahr