BILDUNG

Zum Artikel "Der tägliche Kampf mit den Buchstaben - Viele Jugendliche können weder lesen noch schreiben " (TV vom 24. Oktober) diese Meinung:

Wirklich gut, das Thema erneut zu beleuchten. Leider nicht oft und grundlegend genug. Das liegt weder an den Medien noch an sonst wem, sondern das Dilemma liegt schlichtweg an den Betroffenen selbst. Den Schriftweg können sie nicht wählen, um aufzuklären, Bewusstsein zu wecken, geschweige über Ursachen nachzuforschen. Bestes Beispiel der dpa-Artikel, um den es hier geht: 1. die Tipps können Betroffene selbst nicht lesen; 2. enge Vertraute könnten die Tipps weitergeben, wenn sie darum wissen. Wie heißt es an anderer Stelle im Text: "… Probleme beim Lesen und Schreiben verbergen sie aus Angst vor Vorurteilen und Diskriminierung." Rückzug und Scham sind nur die eine Seite! Und was ist mit jenen, die innerlich wegen ihres Unvermögens rebellieren, wütend werden auf Elternhaus, Schule, die Gesellschaft ganz allgemein, weil sie nicht wahrgenommen werden, notwendige Hilfe fehlt und so ihren Platz nicht finden? Fast zehn Jahre täglich Frust, fächerübergreifendes Versagen, weil Bedeutung und Sinn von Wörtern nicht begriffen werden, Unverständnis, Demütigung; kaputter Selbstwert, unzureichende Bildung, mangelhafter Schulabschluss, wenn überhaupt mit geringen Chancen eine Ausbildung zu beginnen, erst recht durchzuhalten! Kann Leben so gelingen? Nein, es geht nicht um Schuld an irgendeine Adresse, sondern um mangelndes Bewusstsein für gewisse Zusammenhänge. Und wenn der "Schuss" nach hinten losgeht, weil Kinder zuerst mit Buchstaben und später Erwachsene mit mehr als nur Wörtern auf Kriegsfuß stehen? Oft genug ist es zu sehen, zu hören, zu lesen, dass Straftäter in der Schule gescheitert sind. So im TV am 17. Oktober über einen Täter, der seine Eltern umgebracht hat: "... Über das Motiv kann nur spekuliert werden ... Nach gescheiterter Schullaufbahn, zwei abgebrochenen Lehren …" Maria-Elisabeth Günter, ehemalige Vorsitzende Kreisverband Legasthenie Trier-Wittlich