Bildung

Zum Artikel "Rot-grüne Regierung will das Sitzenbleiben abschaffen" (TV vom 19. Februar) diese Zuschriften:

Wir, das Schülersprecherteam der Grund- und Realschule plus Kell am See/Zerf, sind gegen die Abschaffung des Sitzenbleibens. Wenn man nicht mehr sitzenbleiben kann, lernen viele Schüler weniger oder gar nicht mehr, weil sie denken, dass man ja sowieso in die nächste Klassenstufe versetzt wird. Außerdem ist es schwierig, den Stoff nachzuholen, den man nicht verstanden hat. In vielen Fällen steckt auch sehr viel Faulheit dahinter. Die guten Schüler werden vernachlässigt, da sich die Lehrer mehr um die Schüler kümmern müssen, die eigentlich das Schuljahr wiederholen müssten. In einer Umfrage in der Schule haben wir herausgefunden, dass die meisten Schüler und Schülerinnen unsere Meinung teilen. Lisa Steier, Larissa Knop, Florian Meier, Schülersprecherteam der RS plus Kell am See/Zerf Im TV wird der Plan der Landesregierung, das Sitzenbleiben in Schulen abzuschaffen, umjubelt. Insbesondere der Kommentar von Bernd Wientjes enthält ein glühendes, leider aber völlig unkritisches Plädoyer für dieses Vorhaben. Wichtige Hintergrundinformationen werden verfälscht oder verschwiegen: Schüler bleiben nicht sitzen, weil sie "in einem oder zwei Fächern eine Fünf auf dem Zeugnis haben". Stattdessen wird etwa im Gymnasium ein Schüler nicht versetzt, wenn Noten in zwei Fächern unter ausreichend liegen, in den abschlussbezogenen Klassen der Realschule plus, um ein weiteres Beispiel zu nennen, wenn Noten in mehr als drei Fächern oder in Deutsch und Mathematik unter ausreichend liegen. Es bleibt unerwähnt, dass mangelhafte Noten durch sehr gute, gute oder befriedigende Leistungen in anderen Fächern ausgeglichen werden können. Sollte kein Ausgleich erfolgen können, so kann eine Versetzung trotzdem noch durch eine Nachprüfung erreicht werden. Es bleibt kein Schüler sitzen, wenn er nach Bernd Wientjes "in ein, zwei Fächern schwächelt, ansonsten vielleicht mittelmäßig ist", sondern nur Schüler, die in mehreren Fächern gravierende Probleme haben und auch in den anderen Fächern nur ausreichende Leistungen bringen. Wenn der TV von "soziale(r) Selektion", "als Verlierer gebrandmarkt", "weil sie [die Sitzenbleiber] nicht selten unmotiviert und frustriert im Unterricht sitzen" schreibt, dann wird ignoriert, dass die Wiederholung einer Klasse dem Schüler die Chance einräumt, versäumten Stoff nachzuholen und damit die Grundlage für den erfolgreichen Besuch der folgenden Klassenstufen legt. "Unmotiviert und frustriert" sind vielmehr Lernende, die infolge großer Defizite dem Unterricht nicht folgen, Lücken im fortlaufenden Unterricht kaum schließen und sich aufgrund der schwachen Leistungen im Vergleich mit anderen Mitgliedern der Klassengemeinschaft als permanente "Verlierer" betrachten könnten. Was die vom Ministerium versprochenen finanziellen Hilfen für die optimale individuelle Förderung (die ich sehr befürworte!) angeht, so scheinen mir die darauf bauenden Autoren des TV die Schulwirklichkeit nicht zu kennen. Wer die Verlautbarungen des Ministeriums über fehlende finanzielle Mittel, die geplante Einsparung von 2000 Lehrern (trotz immens hoher Ausfallstunden) oder die begrenzten finanziellen Zuwendungen für Vertretungsprogramme verfolgt, muss befürchten, dass es auch in diesem Fall bei Versprechungen bleiben wird. Elisabeth Klöppel-Scherl, Wittlich

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