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leserbriefe
Bitte bleibt fair!

Schlimme Unwetter, schlimme Folgen, bohrende Fragen nach den Ursachen: Ist’s der Klimawandel? Sind es die Bauern, die ihre Felder falsch bestellen? Oder Gemeinden, die ungeeignete Baugebiete ausweisen? Bitte keine Schuldzuweisungen, fordern Leserbriefschreiber. Das Bild entstand in Dudeldorf.
Schlimme Unwetter, schlimme Folgen, bohrende Fragen nach den Ursachen: Ist’s der Klimawandel? Sind es die Bauern, die ihre Felder falsch bestellen? Oder Gemeinden, die ungeeignete Baugebiete ausweisen? Bitte keine Schuldzuweisungen, fordern Leserbriefschreiber. Das Bild entstand in Dudeldorf. FOTO: dpa / Harald Tittel
Gesellschaft

Zur Berichterstattung über die Unwetter in der Region:

Als selbst Betroffener und Helfer habe ich hautnah dramatische Szenen erlebt. In dem ganzen Unglück wurde der Charakter des Menschen sichtbar, sobald der erste Schreck überwunden war: die Suche nach dem Schuldigen! Der vermeintliche Klimawandel und mit dem einhergehend die Maisfelder von nebenan. Doch wem gehört nun das Gewitter, welches diese Schäden angerichtet hat?

Wer in früheren Zeiten mit seiner Oma am Tisch saß, erinnert sich aus ihren Erzählungen, dass uns Unwetter dieses Ausmaßes, sogar mit Toten und darauf folgenden Hungersnöten, schon über Generationen verfolgen. Fing der Klimawandel also schon vor 100 Jahren an? Nicht abzustreiten ist, dass der Maisanbau zugelegt hat, nicht letzten Endes als Resultat des Willens der Regierung, daraus Strom zu produzieren, oder dem Verlangen nach mehr Biotreibstoffen Rechnung zu tragen. Man tat also das, was verlangt wurde. Zudem benötigen wir eine Ackerfläche der Größe Baden-Württembergs, um unsere Hunde und Katzen zu ernähren. Moderne Anbauverfahren, wie in einem Artikel des TV beschrieben, sind ein gutes Mittel. Doch diese enormen Mengen Niederschlag in kurzer Zeit vermag auch kein gewachsenes Grünland aufzunehmen, speziell so wassergesättigt. Also kommt das Wasser, egal ob angereichert mit Boden, oder als klare Brühe. An den erosionsmindernden Saattechniken sollten wir weiterhin festhalten, denn sie halten den Boden bei leichten Unwettern tatsächlich „fest“.

Da Mais zudem dem Boden mehr Stickstoff entzieht, als man ihm zuführen darf, und der Luft sehr viel CO2 entzieht, kann er fürs Klima nicht allzu schädlich sein.

Wenn unsere Umweltministerin sich aktiv gegen den Klimawandel einsetzen möchte, dann sollte sie die Müllproduktion unterbinden, nicht etwa Plastiktüten, sondern den ganzen Elektrokram wie Handys, Waschmaschinen, Drucker et cetera. Normalerweise ist der Mensch imstande, Produkte herzustellen, die mit etwas Wartung ewig funktionieren könnten. Stattdessen plündern wir mit enormem Aufwand seltenste Edelmetalle, verschiffen diese durch die halbe Welt, nutzen diese, wenn überhaupt, nur solange die Garantiezeit läuft, und entsorgen sie wieder teuer – das alles auf Kosten unseres Klimas. Wir müssen wissen, dass jedes Handy, das wir alle zwei Jahre ersetzen, ein weiterer Sargnagel in unsere geliebte Mutter Erde ist! Ist unser Nobel-Status das wirklich wert? Jeder Einzelne von uns kann also aktiv etwas gegen den Klimawandel und das Auftreten solcher Unwetter tun. Es ist nur leider den wenigsten Menschen bewusst.

Martin Kemen, Schleid

Ich kann die Sorgen und Ängste der vom Unwetter betroffenen Menschen zum Beispiel in Trassem vollkommen verstehen. Auch ich hatte schon einmal den Keller überflutet, bei einem Unwetter im Jahr 1975.

Aber ich finde es unfair, den Landwirt mittelbar mitverantwortlich für die Schäden zu machen, weil er auf Flächen oberhalb der Bebauung Mais angebaut hat. Ein Landwirt muss nun mal säen (auch Mais) und ernten, um seinen Betrieb wirtschaftlich zu führen und den notwendigen Ertrag zu erzielen. Anstelle von Mais hätte der Landwirt auch Kartoffeln oder Rüben anpflanzen können. Auch dieser Anbau hätte den Wasserabfluss nicht aufhalten können. Und was die Behörden hätten tun sollen, um diese Ereignisse abzuwenden, erschließt sich mir nicht.

Liebe Unwetter-Betroffene, bleibt bitte fair mit Schuldzuweisungen.

Klaus Wagner, Trassem

10.06.2018, Rheinland-Pfalz, Dudeldorf: Helfer sind mit Aufräumarbeiten an einem vom Unwetter betroffenen Haus beschäftigt. Die Flut des sonst kleinen Langbach hat einen Teil der Hofeinfahrt mitgerissen. Teile des Orts sind am Samstag Abend von einem Unwetter teilweise überschwemmt worden. Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
10.06.2018, Rheinland-Pfalz, Dudeldorf: Helfer sind mit Aufräumarbeiten an einem vom Unwetter betroffenen Haus beschäftigt. Die Flut des sonst kleinen Langbach hat einen Teil der Hofeinfahrt mitgerissen. Teile des Orts sind am Samstag Abend von einem Unwetter teilweise überschwemmt worden. Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Harald Tittel