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Landwirtschaft und Ernährung: Bitte faktenbasiert und konstruktiv!

Landwirtschaft und Ernährung : Bitte faktenbasiert und konstruktiv!

Zum Leserbrief „Gewaltiger Irrtum“ (TV vom 18./19. Juli) schreibt Julia Lehnen:

In seiner Zuschrift fordert Edmund Klaes, die Massentierhaltung abzuschaffen. Damit das gelingen kann, müsste der Begriff „Massentierhaltung“ erst einmal genau definiert werden. Die Qualität der Haltung hängt im Übrigen nicht von der Anzahl der Tiere pro Betrieb ab, sondern vor allen Dingen von der Betreuung durch die (fachkundigen) Menschen! Die Aussage „[Massentierhaltung] funktioniert nur mit Antibiotika-Einsatz im Futter“ ist eine pauschale, undifferenzierte und auf Vorurteilen beruhende Behauptung. Aus meinem Umfeld weiß ich, dass es etliche andere Möglichkeiten gibt, seine Tiere gesund zu halten.

Ich weiß nicht, wann und wo Herr Klaes seinen Meistertitel erworben hat. Jedenfalls scheint er nicht mehr auf dem neuesten Stand zu sein. Seit dem 1. Januar 2006 sind EU-weit Antibiotika als Futterzusatzstoffe („Wachstumsförderer“) verboten.[1] In Mischfuttermitteln werden diese seit 2003 nicht mehr verarbeitet.[2]

Eine Ausnahme gibt es im Geflügelbereich. Deren Notwendigkeit und mögliche Alternativen möchte ich nicht diskutieren. Da endet mein Fachwissen, und es würde hier auch zu weit führen.

Ja, Nutztiere wie auch Haustiere bekommen Antibiotika – wenn sie krank sind! Auf tierärztliche Anweisung und nicht vorbeugend. Und ja, diese können über das Futter verabreicht werden, wenn viele Tiere einer Gruppe betroffen sind. Dies sollte aber die Ausnahme darstellen.

Es ist vollkommen richtig: Als guter Landwirt ist man „dem Tierwohl verpflichtet“. Dazu gehört neben dem Bemühen, die Tiere gesund zu halten aber auch, diese zu behandeln, wenn sie krank werden.

Im Übrigen finde ich es erschreckend, wie hier die eigenen Berufskollegen auf der Grundlage falscher Tatsachen diskreditiert werden. Kritik – gerne! Aber bitte faktenbasiert und konstruktiv!

Julia Lehnen, Nusbaum, B. Sc. Agrarwirtschaft

Quellen: [1] Europäische Kommission; IP/05/1687 „Verbot von Antibiotika als Wachstumsförderer in Futtermitteln tritt in Kraft“; Brüssel, 22. Dezember 2005

[2] Deutscher Verband Tiernahrung (DVT); „Futterfakten Arzneifuttermittel“; Stand: Juli 2016; https://www.dvtiernahrung.de/aktuell/futterfakten/arzneifuttermittel.html (Zugriff: 20.07.2020; 12:55 Uhr)