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Bitte keine Willkür in den Worten

Leserbrief : Bitte keine Willkür in den Worten

Gendern

Zu den Artikeln „Gendern: Ein Sternchen erhitzt die Gemüter“, „Trierer Sprachforscher: „Das Gendern wird sich weiter einspielen“ und den Kommentaren „Entspannt euch!“ und „Es gibt Wichtigeres!“ (TV vom 8. Juli) sowie zu den Leserbriefen zu diesem Thema (TV vom 14. Juli):

Dieses Thema, das derzeit die Gemüter erhitzt, ist nicht neu.  Auch heute noch kann uns die Sichtweise des chinesischen Philosophen Konfuzius – er lebte um das Jahr 500 vor Christus – die Tragweite des Sprachgebrauchs bewusst machen. Darum lohnt es sich, diese alte Geschichte in Erinnerung zu rufen:

Man fragte Konfuzius einmal, womit er beginnen würde, wenn er ein Land zu verwalten hätte. „Ich würde den Sprachgebrauch verbessern“, antwortete der Meister. Seine Zuhörer waren erstaunt. „Das hat doch mit unserer Frage nichts zu tun“, sagten sie, „was soll die Verbesserung des Sprachgebrauchs?“ Konfuzius antwortete: „Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist. Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande. Kommen die Werke nicht zustande,so gedeihen Moral und Kunst nicht.Gedeihen Moral und Kunst nicht, so trifft die Justiz nicht. Trifft die Justiz nicht, so weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen. Also dulde man keine Willkür in den Worten. Das ist alles, worauf es ankommt.“

(Quelle: „Gespräche“ - „Lun-Yu - – Geordnete Worte“, Übersetzung von Prof. Dr. Ralf Moritz, Reclam, 2008)