| 19:47 Uhr

Lesermeinung
Bitte unabhängige Verfahren

Medizin

Zu unseren Berichten über die Probleme mit Implantaten:

Erschreckend, wie nachlässig und rücksichtslos mit der Gesundheit von Menschen umgegangen wird. Nicht nur, dass es zu viele unangebrachte orthopädisch-chirurgische Eingriffe zugunsten der Krankenhausökonomie und zum Nachteil der Betroffenen gibt, wenn man den entsprechenden Veröffentlichungen der letzten Zeit glauben mag. Nun geraten auch die dabei verwendeten Prothesen und Materialien in heftige Kritik, zum schwerwiegenden Schaden der Patienten.

Dass dies so kommen musste, ist kaum verwunderlich, liegt es doch am System: Zur Zulassung beauftragen und bezahlen Hersteller eigene Gutachter, die zulassende Behörde prüft diese „Gutachten“ und genehmigt. Dass dieses System dem Missbrauch Tür und Tor öffnet, liegt auf der Hand: Wess‘ Brot ich ess‘, dess‘ Lied ich sing!

Übrigens hat uns dieses Verfahrensprinzip auch in anderen Bereichen enorme Schäden und langwierige Auseinandersetzungen beschert, siehe Dieselskandal, Monsanto-Glyphosat-Problem und ähnliche Genehmigungsentscheidungen.

Den Medizinern, die die zugelassenen Prothesen „einbauen/verwenden“, ist wohl zuletzt ein Vorwurf zu machen. Zu fordern sind eher unabhängige Zulassungsverfahren durch Prüfbehörden, die es in Deutschland ja offiziell gibt. Wir leisten uns schließlich gute und teure Institutionen, Forschungseinrichtungen, Universitäten und Behörden, die das leisten könnten.

Selbst wenn solche Prüfverfahren das (Gesundheits-)System finanziell stärker belasten würden, sollte uns das bei der Genehmigung von Materialien, Stoffen und Herstellungsverfahren für alle sensiblen Bereiche, die die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen betreffen, jeden Euro wert sein.