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Natur: Blühende Landschaften? Von wegen!

Natur : Blühende Landschaften? Von wegen!

Zum Leserbrief „Blühende Landschaften – zur Freude von Mensch und Getier“ (TV vom 6./7. März) schreibt Bernhard Herbrand:

Was wäre das schön, wenn die Vorschläge von Günter Hunsicker zumindest in Ansätzen umgesetzt würden: Blühstreifen, Rabatte an den Wirtschaftswegen, Einschränkung von Pestiziden et cetera. Keinesfalls neue Vorschläge, wenngleich sehr sinnvoll – aber wie sieht die Realität aus?

Da ich viel in unseren Feldern und Wäldern unterwegs bin stelle ich fest:

- Felder werden systematisch zunächst mit Glyphosat behandelt. Nach der Aussaat entsteht eine Monokultur, die nicht mehr ist als eine grüne Wüste. Für Insekten und Kleintiere eine lebensfeindliche Landschaft. Ganz aktuell musste ich feststellen, dass selbst Feldwege mit Glyphosat/Roundup behandelt werden.

- Mit Tiefpflügen werden die Acker­flächen bis zum äußersten Rand bearbeitet, teilweise wird der Schotterunterbau der Wege herausgepflügt, teilweise fallen Wege ganz dem Pflug zum Opfer.

- Entlang der Wege gab es lange Zeit die landschaftstypischen Obstbäume am Rand der Felder. Für die Landmaschinen offenbar störende Objekte. Indem man mit dem Pflug bis an den Stamm die Wurzeln abpflügt, erreicht man, dass die Bäume irgendwann absterben und umfallen. Damit sind wieder ein paar Quadratmeter gewonnen und lästige Objekte stehen den großen Maschinen nicht mehr im Weg.

- An mehreren Stellen wurden Hecken an Feldrändern, Lebensraum für Vögel, gleichzeitig Windschutz, bodennah abgesäbelt.

Die Liste der Fehlentwicklungen zulasten der Natur kann leicht noch ergänzt werden. Wer das für eine übertriebene Darstellung hält, kann das jederzeit vor Ort besichtigen. Einzelne Untaten habe ich auch fotografisch dokumentiert.

Es geht mir keinesfalls darum, Landwirte und ihre Arbeit pauschal anzugreifen. Ich schätze Betriebe, denen das Zusammenwirken mit der Natur wichtig ist. Diese sollten auch für ihre Arbeit belohnt werden. Ich stelle aber fest, dass es in der Realität zu viel gedankenlose Zerstörung unserer Umwelt gibt.

Solange Betriebe nicht für ihr umweltverträgliches Arbeiten gefördert werden und im Gegenteil die Großbetriebe nach Fläche subventioniert werden, wird Gewinnmaximierung unter Inkaufnahme massiver Umweltschäden dominieren und das Sterben der Kleinbetriebe wird weitergehen.

Hier ist die Politik gefordert verbindliche Vorgaben zu machen und die Förderrichtlinien zugunsten der Naturverträglichkeit zu ändern. Aber von unserer Lobby- und Verzögerungsministerin Julia Klöckner ist in dieser Hinsicht leider gar nichts zu erwarten.

Bernhard Herbrand, Trierweiler