Weinbau: Bubischnitt und andere Tricks

Weinbau : Bubischnitt und andere Tricks

Zum Artikel „Wie der Winzer im winterlichen Weinberg abschneidet“ (TV vom 22. Januar) schreibt Dr. Harald Schöffling:

Der Rebschnitt ist gut beschrieben, auch verständlich für den Laien. Die empfohlene Schnittverlegung vom alten Jahr ins neue Jahr kann ich aus meiner Versuchsanstellung auf der ehemaligen Staatsdomäne Niederhausen-Schlossböckelheim befürworten. Im Fünfjahresdurchschnitt (1971-1975) brachte beim Riesling die Schnittverschiebung von November/Dezember ins Frühjahr ein maximales Traubenertrags-Plus von rund neun Prozent, und das ohne Qualitätsverlust an Mostgewicht und Säure.

 Der Monat März schnitt am besten ab. Schnitttermine im April (Knospenschwellen) und vor allem im Mai (Austrieb) bewirkten dagegen einen Ertragsverlust von bis zu 36 Prozent bei sogar geringer Mostgewichtsabnahme und Säurezunahme.

Wichtiger noch dürfte die Frostschadenslage sein. So lohnt es sich, mit dem Rebschnitt möglichst erst nach dem Winterfrost zu beginnen. Beispielsweise hatte im extremen Frostwinter 1978/79 die Zentralstelle für Klonenselektion an der LLVA Trier in ihren Luxemburger Versuchsanlagen alle Rebtriebe belassen und auf circa 50 Zentimeter gekürzt, damals in Winzerkreisen Bubischnitt oder Stoppelschnitt genannt. Die Folge war, dass mit den verbliebenen 100 Fruchtknospen pro Stock eine fast normale Ernte erzielt wurde. Beim Normalschnitt auf zwei Bogreben mit 20 Fruchtaugen pro Stock wurden dagegen nur rund 20 Prozent einer Normalernte erzielt.

Rebschnitt und Rebenerziehung als Steuerungsmaßnahmen gegen unerwünschte Auswirkungen des Klimawandels, im Volksfreund-Artikel mit einer Reifeverzögerung von bis zu zwei Wochen erwähnt, können mit weiteren erfolgversprechenden Beispielen belegt werden. Auch eine Reihe anderer Maßnahmen wird in der Praxis schon angewendet. Weitere müssen von den weinbaulichen Forschungsinstituten dringend erarbeitet werden.

Dr. Harald Schöffling, Trier

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