Leserbriefe Christen zuerst

Zum Artikel „Luxemburger vertritt Europas Bischöfe“ (TV vom 10./11. März) schreibt Diplomtheologe Michael G. Bollmann:

In dem Beitrag heißt es, der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich habe 2017 in einem Interview gesagt, dass die Kirche nicht zwischen christlichen und muslimischen Flüchtlingen unterscheiden dürfe. Zitat Hollerich: „Ich kann mich nicht erinnern, irgendwo in der Heiligen Schrift gelesen zu haben, man solle nur den Menschen helfen, die so sind wie wir.“ Natürlich soll man allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft helfen, wenn diese sich in einer Notlage befinden, soweit eine solche Hilfe sinnvoll und soweit man zu einer Hilfeleistung in der Lage ist. Die Schriften des Neuen Testaments bieten uns jedoch im Gegensatz zur Äußerung des Erzbischofs ein differenziertes Bild.

Der Apostel Paulus schrieb um das Jahr 55 n. Chr. in Ephesus an die christlichen Gemeinden in Galatien: „Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind.“ (Galater 6,10)

Ein Blick auf die Lebenspraxis Jesu zeigt uns, dass er sich  berufen fühlte, sich nur den Israeliten zuzuwenden. Er hatte auch seine Jünger in diesem Sinn unterwiesen. Er sei nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. (Matthäus 14,24) Bei seinen Ansprachen in der Säulenhalle des  Jerusalemer Tempels konnte ihm jeder zuhören, ob Jude oder Heide. Auch wenn Jesus nicht aktiv bei den Heiden missioniert hat, half er dennoch, wenn er von ihnen um Hilfe gebeten wurde, zum Beispiel vom Hauptmann von Kafarnaum oder von einer Frau aus Syrophönizien.

Für die heutige Zeit kann dies bedeuten, dass es legitim ist, wenn wir uns als Christen mit den Christen in aller Welt verbunden fühlen, ihnen einen Vorrang einräumen  und uns mit ihnen solidarisch zeigen.

Ein schönes Beispiel hierfür ist es, dass die Initiative Christlicher Orient in Österreich in den betroffenen Ländern beim Wiederaufbau von zerstörten Häusern und durch weitere geeignete Hilfsmaßnahmen diesen durch Krieg und Verfolgung geschundenen Menschen zur Seite steht und ein wenig neue Hoffnung vermittelt.

Michael G. Bollmann, Diplomtheologe, Igel

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