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Christliche Signatur

Katholische Kirche Herbert Tholl Korlingen

Zur Kolumne "Die Woche im Blick: Der XXL-Weg zur Reform" (TV vom 28./29. Oktober) sowie zu weiteren Berichten, Kommentaren und Leserbriefen zum Thema:
Ich möchte Thomas Roth meine Anerkennung aussprechen. Der Beitrag bietet einen im Trierischen Volksfreund gelegentlich zu kurz kommenden seriösen Journalismus bezüglich der Entwicklungen im Bistum Trier.
Herr Roth geht differenziert auf die Situation und die Hintergründe ein. Indem er auf unzulässige Verkürzungen verzichtet, ermöglicht er dem Leser eine der Sache angemessene Sichtweise und bietet Kriterien zur Meinungsbildung. Ohne die Schwierigkeiten zu verharmlosen, die in den Reformprozessen des Bistums Trier liegen, macht er deutlich, dass die Bistumssynode nicht die Ursache der Kirchenkrise war, sondern die notwendige Reaktion darauf.
In der Krise stellt sich neu die Frage nach dem, was Kirche im Innersten ausmacht und was für deren Selbstverständnis unverzichtbar ist.
Im Kern geht es darum, dass nur eine solche Kirche Zukunft hat, die von überzeugten Christen getragen wird. Die Pfarreistruktur kann immer nur eine Hülle sein, innerhalb derer sich das lebendige Zeugnis der Getauften in Wort und Tat äußert.
Wenn Menschen sich im christlichen Geist zusammenfinden und sich in die Gesellschaft einbringen, dann ist es zweitrangig, wo das Pfarramt steht.
Auch wenn die Kirche ihre Professionalisierung selbst betrieben und damit dazu beigetragen hat, dass die Menschen mehr auf die Repräsentanten und beruflichen Gewährleister des kirchlichen Lebens schauen als auf ihre eigene Berufung, so hat sich spätestens im Zeitalter des Individualismus die Einsicht durchgesetzt, dass es auf jede und jeden Einzelnen ankommt.
Der Streit um Pfarreigrenzen und Vermögen von Kirchengemeinden erscheint als Scheingefecht, das die eigentliche Krise verdeckt.
Unsere Gesellschaft wird ihre christliche Signatur nicht dadurch bewahren, dass wir eine große Anzahl an Pfarrern oder Pfarreien haben, sondern dass die Getauften sich mit der Botschaft Jesu auseinandersetzen und die Menschenliebe Gottes bezeugen.
Ein Abendland, in dem die Christen wissen, wer sie sind, muss keine Angst vor "Überfremdung" haben. Wir sollten lediglich aufpassen, dass wir uns nicht selbst fremd werden.
Herbert Tholl
Korlingen