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Ernährung: Chronisch überlastet

Ernährung : Chronisch überlastet

Zum Artikel „Normalgewicht, aber innerlich verfettet“ (TV vom 28. Dezember) schreibt Ulrike Wagner:

Immer wieder ist die Rede von „hochverarbeiteten“ Nahrungsmitteln und deren negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Was steckt hinter diesem abstrakten Begriff? Der Sachbuchautor und Lebensmittelchemiker Udo Pollmer meint:„Alles in allem werden unseren Lebensmitteln Tausende von Stoffen zugesetzt – auch wenn offiziell nur von wenigen Hundert die Rede ist. Der Grund: Der Gesetzgeber hat viele Stoffe zu ,Nicht-Zusatzstoffen’ ernannt. Rein rechtlich sind die allermeisten Aromastoffe, alle Enzyme sowie viele technische Hilfsstoffe keine Zusatzstoffe. Dazu kommt eine wachsende Zahl von funktionalen Additiven. Diese sollen viele der bisher kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffe auf etikettenfreundliche Weise ersetzen. Clean Label (sauberes Etikett) heißt das große Ziel.“ Oder besser: das große Dilemma!

Mag ja sein, dass der natürliche Organismus Mensch in gewissem Maße anpassungsfähig ist. Doch allein in den letzten Jahrzehnten hat eine derart massive Flut an Veränderungen auf unsere Körperchemie eingewirkt, wie es sie in der gesamten Entwicklungsgeschichte der Menschheit nicht gegeben hat.

Noch schlimmer: Selbst die als unbedingt gesund verstandene Ernährung kommt viel zu theoretisch daher. Die Wissenschaft hat den chronisch mit Nahrungsstoffen „überlasteten“ Stoffwechsel nicht auf dem Schirm. Und die Zahl der (immer vorzeitiger) chronisch Leidenden wächst und wächst. (Auch) weil über die Jahrzehnte der gesunde Menschenverstand immer mehr auf der Strecke geblieben ist.

Ulrike Wagner, Trier