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Leserbriefe
Dann eben auf die harte Tour

Zur Berichterstattung über den türkischen Angriff in Syrien und zum Konflikt der Türkei mit Frankreich meint Robert Seidenath:

Die USA und Russland haben den türkischen Präsidenten Erdogan nicht daran gehindert, die syrisch-kurdische Region Afrin zu überfallen und dort eine ethnische Säuberung zu betreiben, der großartige Mr. Trump will jetzt sogar alle US-Truppen aus Syrien abziehen und so dem Aggressor auch in der Region Manbidsch freie Hand geben, und die neue deutsche Bundesregierung rüstet die türkische Armee weiter auf und beteiligt sich damit an der Aggression; Schande über sie alle!

Der Einzige, der noch gegen den Kriegsverbrecher Erdogan aufzumucken wagt, ist der französische Präsident Emmanuel Macron. Er will weiterhin die maßgeblich von den kurdischen YPG (Volksverteidigungseinheiten) und YPJ (Frauenverteidigungseinheiten) getragenen Syrian Democratic Forces (SDF) gegen den noch immer nicht vernichteten IS unterstützen und bietet gleichzeitig seine Vermittlung im türkisch-kurdischen Konflikt an. Macron verdient hier jede Unterstützung der EU und der Nato.

Erdogan, der offenbar an einer friedlichen Lösung keinerlei Interesse hat, hat umgehend jede Vermittlung schroff zurückgewiesen, eine Ausweitung seiner Aggression angekündigt und Frankreich sogar indirekt mit Terror gedroht. Das Maß ist voll! Als Gewaltherrscher und Aggressor versteht Erdogan offenbar nur die Sprache der Gewalt.

Dann muss es eben jetzt auf die harte Tour gehen, um seine imperialistischen Pläne für ein neues Osmanisches Reich zu vereiteln: Aufrüstung der SDF nicht nur gegen den IS, sondern auch gegen die türkische Aggression mit Artillerie, Panzer- und Flugabwehr, Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen, Waffenembargo, Wirtschaftssanktionen, Ausschluss der Türkei aus der Nato. Oder will die Welt weiter tatenlos zusehen, wie sich neben dem Iran und Saudi-Arabien eine weitere aggressive Macht etabliert, die vielleicht sogar einen Dritten Weltkrieg auslöst? Als Alternative wären nur noch direkte militärische Aktionen gegen die Türkei denkbar – aber natürlich nicht wünschbar.

Robert Seidenath, Gusterath