Gesundheit Das klingt nach Schikane

Zur Berichterstattung über die verwirrende Corona-Verordnung des Landes, Plastik-Visiere erst zuzulassen, dann zu verbieten (TV vom 6./7. Juni) und wenig später wieder zuzulassen (TV vom 10./11. Juni) schreiben Kordula Kreitz-Brausch und Marion Zwilling:

Mit Befremden habe ich über das zwischenzeitliche Verbot von Kunststoff-Visieren im Handel und in der Gastronomie gelesen. Mein Mann und ich betreiben selbst ein Einzelhandelsunternehmen und nehmen alle Hygienevorschriften sehr ernst. Wir mussten am 20. April schließen, als wir nun wieder öffnen durften, setzten wir sofort alles um, was zu diesem Zeitpunkt vorgeschrieben war. Nach einigen Tagen jedoch, an denen wir neun bis zehn Stunden mit Maske gearbeitet hatten, ging es uns wirklich schlecht: Übelkeit, Schwindel, permanente Kopfschmerzen und ein Gefühl im Kopf, als seien wir betrunken. Da kam der Hinweis einer Kollegin auf die Plastik-Visiere als rettende Idee, und fortan konnten wir wieder besser atmen.

Vorsichtshalber hatten wir uns vorher noch bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg erkundigt, ob das erlaubt sei, und bekamen die Genehmigung.

Dann hat das Land die Visiere verboten und den Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben – und das ohne jede Vorankündigung. Das klingt nach Schikane, dazu passt, dass angeblich festgestellt wurde, dass besagte Aerosole auch beim Tragen von Mund-Nasen-Schutz seitlich entweichen. Darüber hinaus muss ich, seit die Maskenpflicht gilt, ständig Kunden ermahnen, den Abstand einzuhalten und mir nicht ihr Handy in die Hand zu drücken oder unter die Nase zu halten. Man glaubt anscheinend, dass der Abstand wegen der Masken nicht mehr eingehalten werden muss!

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Es ist überhaupt kein Problem, diese Maske mal eine Stunde am Stück zu tragen, aber es ist ein großer Unterschied zu einem Arbeitstag von zehn Stunden, teils auch mit körperlicher Anstrengung und bei sommerlichen Temperaturen.

Als Angestellte könnte ich mich krankschreiben lassen, da ich aber Inhaber bin, geht das nicht. Die Händler und Gastronomen haben in der Corona-Krise sehr gelitten und werden die Umsatzeinbrüche auch nicht alle verkraften können. Muss man ihnen da auch noch weitere Steine in den Weg legen?

Kordula Kreitz-Brausch, Riol

Wir, die im Lebensmittelhandel arbeiten, standen von Anfang an an vorderster Front. Ohne jeglichen Schutz haben wir wochenlang bis zur Belastungsgrenze das Beste gegeben, damit alle anderen weiterhin einkaufen können. In dieser Zeit wurde uns gegenüber keine Rücksicht genommen. Der Abstand wurde kaum eingehalten, wir mussten uns beschimpfen lassen, wenn jemand nicht das bekommen hat, was er wollte. Viele meiner Kollegen gehen jeden Tag zur Arbeit, obwohl sie zur Risikogruppe gehören. Wir stehen trotz allem im Markt.

Eine Maskenpflicht finde ich generell sinnvoll. Aber viele können einfach nicht mit Maske arbeiten, mir geht es ebenso. Es wird einem übel. Durch die Maske sitzt die Brille nicht richtig, und man hat immer ein leichtes Schwindelgefühl. Beim Bücken fällt die Brille ständig runter. Das Visier ist eine gute Alternative, die es vielen ermöglicht hat, weiterhin akzeptabel zu arbeiten. Nun waren diese Visiere kurzzeitig verboten, das ist doch der blanke Hohn. Je weiter die Infektionszahlen nach unten gehen, desto mehr Schutzverordnungen werden rausgegeben. Meiner Meinung sollte das Tragen eines Visiers ausreichen, wenn seitens der Kunden der Abstand gewahrt wird. In den ersten Wochen der Pandemie war doch deutlich festzustellen, dass der ausreichende Abstand zu anderen eine starke Reduzierung der Infektionszahlen zu Folge hatte. Ich verzichte auf Dankesbekundungen in Funk und Fernsehen, es wäre schön, wenn man uns einfach nur mit Respekt behandelt und uns das Leben und und vor allem das Arbeiten nicht noch schwerer macht. Irgendwann müssen wir doch wieder in die Normalität zurückkehren.

Marion Zwilling, Binsfeld

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