Gesundheit: Das Land blutet aus

Gesundheit : Das Land blutet aus

Zur Berichterstattung über die Veränderungen bei Krankenhäusern in der Region schreibt Heinz Bonerz:

Seit Wochen ist in verschiedenen Presseberichten vermehrt von der Schließung oder beabsichtigter Schließung kleiner Krankenhäuser in ländlicher Gegend berichtet worden. Fürsprecher für derartige Maßnahmen finden sich vehement bei den Krankenkassen, die diese Häuser mangels Rentabilität, wegen Ineffizienz und zum Teil auch wegen fehlender Kompetenz (?) auf kurz oder lang schließen wollen, frei nach dem Motto „nur lange genug drüber reden, dann ist bald Endstation“.

Hier muss jetzt die Lokalpolitik und letztendlich auch die Bevölkerung reagieren und mit aller Kraft entgegenwirken.

Die ländliche Infrastruktur wird immer weiter ausgedünnt, Krankenhäuser und Schulen sind von Schließung bedroht, Funk- und Handynetze vielfach mangelhaft ausgebaut, größere Firmen ziehen sich zum Beispiel aus dem Hunsrück zurück oder deren Standorte stehen zur Disposition – kurzum der ländliche Raum blutet aus. Die Folge ist auf kurz oder lang eine weitere Urbanisierung, ländliche Bewohner ziehen zum Teil in die Städte um oder haben immer weitere Verkehrswege. Dem Krankenhaussterben kann die Landbevölkerung entgegenwirken, indem sie diese Einrichtungen auch frequentiert und sich dort so weit wie möglich behandeln lässt. So wurden zum Beispiel Geburtsstationen in diesen Krankenhäusern geschlossen, weil Patienten weitere Anfahrtswege in Kauf nahmen und größere Krankenanstalten etwa in Trier bevorzugten, wobei die Versorgung in ländlichen Krankenhäusern durchaus ebenbürtig, wenn nicht in mancher Hinsicht besser ist. Eine Schließung ländlicher Häuser bedeutet noch mehr Patienten für die großen Häuser, was dort zwangsläufig zu längeren Wartezeiten und häufig weniger Zeit für eine intensive Behandlung führt. Da kann es schon mal spät am Abend werden, bis ein Arzt die Behandlung aufnimmt.

Glücklich können sich jene ländlichen Krankenhäuser schimpfen, die in öffentlicher Hand bei Kreis oder Land sind und damit mehr Unterstützung erfahren, ich sehe da eine gewisse Ungleichbehandlung. Im Zusammenhang mit der Krankenhausfinanzierung ist auch zu fragen, ob wir in Deutschland 200 und mehr Krankenkassen brauchen mit großem, teurem Verwaltungs- und Lenkungsapparat sowie kostenintensivem Unterhalt ihrer Immobilien.

Eine kleinere Anzahl würde erhebliche Mittel für die Finanzierung eben dieser kleinen Krankenhäuser freispülen. Man denke auch an die (bisherigen) Kosten, die die Maut verbrannt hat, oder die Verschwendung von Steuergeldern nach Rechenschaftsberichten der Rechnungshöfe; würden diese Mittel den Krankenhäusern zugutekommen, wären sie gesund!

Das Gesundheitswesen als ein hohes Gut ist und bleibt ein Kostenfaktor, der nicht zum Nulltarif zu haben ist. Das Bildungswesen, die Unterhaltung von Schulen und Universitäten, um nur ein Beispiel zu nennen, erfordert einen immensen Kostenaufwand und kann niemals rein nach Rentabilitätsgründen bewertet werden, es ist bestens angelegtes Geld. Deutschland ist ein so reiches Land, nur ist auf dem Land wenig davon zu spüren.

Heinz Bonerz, Grimburg