Arbeitsmarkt: Das Problem liegt im System

Arbeitsmarkt : Das Problem liegt im System

Zum Artikel „Hier fehlen Fachkräfte, dort suchen Gesellen Jobs“ und zum Kommentar „Unverantwortlicher Aderlass“ (TV vom 2. Juli) schreibt Hermann Caspary:

Sabine Schwadorf stellt in ihrem Kommentar die Unternehmerqualitäten infrage, im Ergebnis nicht ganz falsch, aber der Kritikansatz ist leider auch nicht ganz der richtige.

Die Betriebe stellen aus Mangel an qualifizierten Bewerbern leider immer mehr Auszubildende ein, deren Eingangsqualifikation oftmals nicht ausreichend ist, weder kognitiv noch persönlich. Diese schaffen dann teils mit Ach und Krach die Abschlussprüfung und sind als Gesellen uninteressant, weil sie plötzlich Geld kosten. Lieber stellt man wieder einen deutlich günstigeren Azubi ein. Mindestens genauso schlimm ist es aber für diejenigen, die aufgrund mangelnder Qualifikation die Ausbildung ganz ohne Abschluss beenden oder aber schon frühzeitig abbrechen.

Und hier schließt sich der Kreis mit der Agentur für Arbeit, die ihre Maßnahmen zur Förderung von Grenzfällen immer weiter zurückfährt und diese prekären Ausbildungsverhältnisse auch noch fördert. Im Raum Wittlich findet künftig, zumindest temporär, keine außerbetriebliche Ausbildung statt, auch nicht für lernbehinderte junge Menschen, eine Berufsvorbereitungsmaßnahme ist ebenso wenig vorgesehen. Vielmehr ist es Ziel der Arbeitsmarktpolitik, die benachteiligten Jugendlichen mit flankierenden Maßnahmen sofort in den Betrieben unterzubringen, Benachteiligte, die vorher teils mehrere Jahre auf das Berufsleben vorbereitet wurden. Letztendlich gibt es nur Verlierer.

Die Betriebe greifen kurzfristig noch Förderungen ab, haben langfristig dennoch einen Fachkräftemangel zu beklagen, und die benachteiligten Jugendlichen sind die großen Verlierer, da dem programmierten Frust auch noch eine „Maßnahme Karriere“ droht.

Hermann Caspary, Wittlich