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Gesundheit: Das unsichtbare Etwas

Gesundheit : Das unsichtbare Etwas

Zur Berichterstattung über die Corona-Krise schreiben Heike Wahlen, Ulrich Meyer, Hannelore Keil und Siegfried Skilwies:

Ein herzliches Dankeschön an alle Menschen, die in dieser herausfordernden Zeit Besonderes leisten und unser System „am Laufen halten“ – im gesamten Gesundheitswesen (!), im Pflegedienst, in den Supermärkten, in den Lebensmittelläden, in der Landwirtschaft, in der Versorgung (Wasser, Strom, Heizung, Telefon, Internet, Medien …), in der Müllentsorgung, allen Reinigungskräften, den Lieferanten und Zustellern (Briefe, Pakete, Zeitung), den Handwerkern, die einen „Notfall-Service“ bieten, allen Mitarbeitern in den Büros und Ämtern, die einen reibungslosen Ablauf der notwendigen Verwaltung gewährleisten, allen Ordnungshütern, den Politikern für das entschlossene Krisenmanagement …

Ein großer Dank an alle, die helfen, Hoffnung geben und gut auf sich und andere achten. Bleiben Sie gesund!

Heike Wahlen, Reinsfeld

Unsere Natur hat seit Zigtausenden Jahren offenbar einige Grundprinzipien, die sie konsequent einzuhalten versucht. Ein wesentliches davon ist, dass sie die verschiedenen Populationen auf diesem Globus im Gleichgewicht halten und die Fortpflanzung nach dem Prinzip der Bestenauslese gewährleisten möchte.

In der unbeeinflussten Natur haben nur die besten, stärksten, schnellsten männlichen Samenzellen die Chance, ihre Gene weiterzugeben. Der weibliche Gegenpart in der Natur sucht sich den Partner nicht nach Liebe und Zuneigung, sondern nach rein rationalen Gründen wie Stärke, Gesundheit und Sicherung der Brut aus. Viele Tiersorten sterben schnell nach der Erfüllung dieser Hauptaufgabe.

Der Mensch ist in dieser Natur im Grunde ein Störfaktor; er setzt moralische, ethische und medizinische Prinzipien und Normen in Kraft, die denen der Natur oft entgegenstehen. In diesem Sinne erfüllt sich das biblische „und mehret euch“, denn die enormen Verbesserungen im medizinischen Bereich tragen zum Beispiel durch weltweite reduzierte Kindersterblichkeit und deutlich erhöhte Lebenserwartung zur Überbevölkerung dieses Planeten ohne Aussicht auf deutliche Verminderung der Zahlen bei.

Schon in früheren Jahrhunderten hat die Natur durch Seuchen das allzu starke Anwachsen der Bevölkerung einzudämmen versucht, ohne wesentlichen Erfolg . Wenn man nun den Bogen zu der aktuellen Corona-Seuche spannt, dann fällt doch einiges auf: Dieses Virus holt sich ganz überwiegend die Alten und Vorerkrankten, es schont die Jungen, warum?

Dieses Virus ist tückisch im Auftreten und in der Erkennung und führt deshalb bei Menschen auch zu panischen Reaktionen: Der weltweite wahnsinnige Flugverkehr bricht derart gewaltig ein, dass die hauchdünne Luftschicht über uns endlich mal spürbar frei ist von Verpestung mit zig giftgeschwängerten Kondensstreifen am wunderschönen blauen Himmel. Die weltweite Wirtschaft mit ihrem ebenfalls hohen Anteil an CO²-Ausstoß bricht ebenfalls deutlich ein, der global zunehmende Autoverkehr. Endlich kann sich die Atmosphäre etwas erholen, nicht nur Greta wird sich freuen, oder? Bitte, bitte jetzt nicht sofort der Reflex: aber, aber! Dass dieses abrupte Eingreifen der Natur viele schmerzhafte Probleme mit sich bringt, liegt auf der Hand.

Rächt sich etwa die Natur wegen der langjährigen Vergewaltigung durch den Menschen auf diese ihr eigene Art? Verpasst sie uns nur einen spürbaren Denkzettel und zwingt uns zum echten Innehalten und zum Überdenken unserer (oft bequemen) Lebensweise? Das Ganze bitte möglichst weltweit. Warten wir ab.

Ulrich Meyer, Trier

Es war einmal ... im Frühjahr 1945: Wir Kinder mit unseren Eltern krochen aus den zerstörten Häusern und blinzelten in die warme Frühlingssonne und genossen das erste Grün. Nur vereinzelt irrten Menschen durch die Straßen auf der Suche nach etwas Essbarem.

Nun ist es Frühjahr 2020: Wieder sind die Straßen fast menschenleer, alles Liebgewordene ist nicht mehr möglich, und die Angst, die wir vergessen hatten, ist erneut da. Unsere vom Wohlstand verwöhnte Welt ist aus den Fugen geraten. Die so hochgepriesene Globalisierung, die uns alles ermöglichen sollte, hat uns auch etwas beschert, was unsichtbar ist, mit keiner Drohne bekämpft werden kann und bei dem auch Grenzschließungen letztendlich reine Symbolpolitik sind. Im Gegenteil legt es innerhalb kurzer Zeit unser Alltagsleben und unser Wirtschaftssystem lahm.

Gleichwohl ist dies aber nicht nur eine gesundheitliche Katastrophe. Nein, es ist auch eine menschliche Katastrophe. Die Corona-Krise zeigt mit aller Brutalität die ganze Schwäche unseres Wohlstandsgebildes. Viele fürchten jetzt nicht nur um ihre gesundheitliche, sondern ebenso um ihre finanzielle Existenz: Mittelständler, Künstler, Hoteliers, Einzelhändler und allgemein Dienstleister, die für unser Wohlergehen sorgen, aber dafür oftmals nicht entsprechend entlohnt werden. Sie haben hohe Fixkosten und Auflagen und können meist keine Rücklagen bilden, um eine solche Situation zu überstehen. Die Politik hat in den letzten Jahren (Jahrzehnten) diese Entwicklung billigend in Kauf genommen, wenn nicht sogar gefördert.

Corona zeigt aber auch deutlich, dass unser Gesundheitssystem kaputtgespart wurde.

Es war auch schon mit den letzten größeren Grippewellen überfordert, und nicht nur mit denen …

Unser Wohlstand ist ein tönernes Gebilde, und die neoliberale Wirtschaftsweise hat überwiegend nur den Großen und Superreichen Vorteile gebracht. Andere wurden nicht beachtet und durften die Gewinne und vor allem die Kosten der Privilegierten letztendlich mitbezahlen.

Und die Corona-Krise ist ja nicht unsere einzige Krise. Da waren und sind noch die Finanzkrise, die Klimakrise, die Migrationskrise et cetera. Diese wurden bislang alle nicht gelöst, sondern es wurde nach dem Motto verfahren: „Pflaster drauf und weiter geht’s.“ Da diese ganzen Symptome miteinander verbunden sind, kann es so nicht mehr weitergehen. Wir müssen Wirtschaft und auch Politik ganz neu denken.

Ich hoffe mit aller Leidenschaft, dass wir das Umdenken schaffen. Dabei wäre ich nicht erstaunt, wenn der eine oder andere nach der erzwungenen Abgeschiedenheit gar nicht mehr in den Stressmodus zurück will, zumal man sich auch fragen kann, wer denn jeweils von solchen Krisen profitiert.

1945 hatten wir eine Zukunft, obwohl am Anfang ein kleiner Handwagen, eine Tasche und ein Paar kaputte Schuhe standen. 75 Jahre haben wir gekämpft, dass sich so etwas nicht wiederholt. Sehen wir die Krise als Chance, aber bitte nicht nur in Sonntagsreden.

Hannelore Keil, Bernkastel-Kues

„Gieh hemm!“ Die Beachtung dieses originellen Trierer Spruchs ist in diesen ungewöhnlichen Tagen wichtiger denn je. Bleibt alle schön gesund, passt gut auf euch auf und seid achtsam in den Handlungen. Jeder kann seinen kleinen Anteil dazu beitragen, die Chance auf wieder bessere Zeiten zu erhöhen. Hierfür wünsche ich Einsicht, Geduld, Kraft, Motivation und die Überzeugung, dass alles wieder gut wird. Ein riesiges Dankeschön und die Verneigung vor allem an diejenigen, die derzeit an den Brennpunkten unermüdlich im Einsatz sind. Daher: „Wenn et gieht, mach et unn ...“

Siegfried Skilwies, Pluwig