| 20:44 Uhr

Dein Ernie? Nee, mein Bert!

Schieb Dir was, Digga! Isch mach jetzt Aldi. Gönn Dir! Gesprächsfetzen, neulich aufgeschnappt vor einem Einkaufszentrum in Trier.

Ein Trupp Jungs, vielleicht zwölf, dreizehn Jahre alt. Voll chefig drauf (cool), beinahe cheedo (super cool) ...
Ich höre und staune. Ey, Alter, denke ich, das ist derselbe Sound wie in diesen Wörterbüchern, "100 % Jugendsprache" von Langenscheidt zum Beispiel. Gerade in der 2018er-Auflage erschienen. Steht drin, wie die Babos, Chabos, Chayas und Bruhs in Deutschland, Österreich und der Schweiz reden. Spannender Stoff.
Jugendsprache, eine Lebensaltersprache. Um sich abzusetzen, abzugrenzen von den Erwachsenen. Und für die eigene Gruppe einen Code zu finden. Übertrieben, ironisch, provokativ. Isso.
Und was treibt sie um, die rebelliösen Pubertiere? Ich blättere in der Fibel. Stress mit Eltern. Schule. Party. Porno. Und netz-nerdiges Zeug. Denglisch vermengt.
Okay, vielleicht bin ich eine Papastrophe (Vater, der etwas vermasselt) und ein Senfautomat (Klugscheißer oder jemand, der alles kommentiert). Sei's drum.
Ich lerne Vokabeln: gollumieren (ausrasten), schmoppseln (eine nervige Sache beschreiben), rumtrumpen (Ärger machen).
Ich lerne, wie die Kidz konjugieren: I bims (ich bin), du bimst (du bist), er/sie/es isd (er/sie/es ist), wir sims (wir sind), ihr seit (ihr seid), sie sims (sie sind). Grusel!
Ich lerne, dass Immatrikulationshintergrund eine Beleidigung ist für jemanden, der nicht richtig anpacken kann und ungeschickt ist, also wohl studiert hat.
Juckt? (Na und, wen interessiert's?) Wörter entstehen, Wörter vergehen, einige werden es in den Wortschatz der Erzeugerfraktion (Eltern) schaffen. Dein Ernie? - Nee, mein Bert! (Ist das Dein Ernst? - Ja, verdammt noch mal!)

Herzliche Grüße!
Peter Reinhart
Stellvertretender Chefredakteur

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