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Gesundheit: Demokratie oder Diktatur?

Gesundheit : Demokratie oder Diktatur?

Zur Berichterstattung über die Corona-Krise schreiben Jörg Stein, Franz Danner und Marcel Schanen:

Es bedarf keiner Hellseherei, sich die Welt nach Corona auszumalen, weil keine neue Spezies Mensch aus der Krise hervorgeht. Die Opfer werden betrauert. Zahlreiche aufopferungsbereite Menschen, wir bezeichnen sie als Helden, werden zu Recht für ihr Tun von der Gesellschaft gefeiert. Das Schwungrad des Turbokapitalismus in der globalisierten Welt kommt wieder auf Touren. Nun wird alles nachgeholt, was versäumt wurde.

In kleinen Zirkeln reiben sich die Weltverbesserer und Philosophen, ehedem zur Entschleunigung verdammt, erst langsam und dann immer schneller werdend die Augen, denn am Horizont zieht etwas auf, was wegen Covid-19 aus dem Blickfeld war. Und dagegen werden die acht Milliarden keinen Impfstoff haben. Und wenn wir den jetzt schon besungenen und gefeierten und herbeigesehnten Vorsommer im April richtig deuten, dann weiß der geneigte Leser, was ich meine, mich aber scheue, beim Namen zu nennen, angesichts der in Corona-Zeiten optimistisch gezeugten Kinder.

Jörg Stein, Lötzbeuren

Ich bin 1940 geboren, habe bis zur Corona-Krise noch nie erlebt, dass das Grundgesetz so wie zurzeit gebeugt – ich nenne es mal so – wurde. Es wurden mehrere Artikel des Grundgesetzes außer Kraft gesetzt. Es wurde in der Bevölkerung die Angst vor dem „tödlichen“ Virus geschürt.

Für mich ist ein Virus tödlich, wenn ein Massensterben einsetzt. Laut Virologen merken 80 Prozent der Infizierten nichts oder nur ein kleines Unwohlsein. 15 Prozent erkranken leicht bis schwer und fünf Prozent erkranken sehr schwer. In dieser Gruppe sind leider auch die sogenannten Corona-Toten.

Der Rechtsmediziner Klaus Püschel, der alle Corona-Toten in Hamburg mit seinem Team obduziert, sagt, dass sie nicht hauptsächlich an dem Virus gestorben sind, sondern an ihren Vorerkrankungen. Püschel sagt, es gebe keinen Grund für die Todesangst im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus. Die Deutschen müssten lernen, damit zu leben, und zwar ohne Quarantäne.

Das Bundesverfassungsgericht hat einen Eilantrag gegen die Verordnungen abgewiesen mit der Begründung, dass Gefahr für Leib und Leben bestehe, was schwerer wiege als die Einschränkung der persönlichen Freiheit.

Die derzeitigen Einschränkungen der Einzelunternehmer und Kleinbetriebe sind so gravierend, dass viele in den Konkurs getrieben werden.

Man hätte am Anfang der Corona-Krise unbedingt zuerst die mehrfach vorerkrankten Menschen schützen müssen. Für alle anderen Menschen hätten gewisse Einschränkungen (Hygiene, Abstand, Kontakt) völlig genügt. Die deutsche Wirtschaft hätte keinen großen Schaden erlitten. Das Coronavirus ist nicht aufzuhalten, erst wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung durchseucht sind, hört die Ansteckung auf. Die Prüfung der Verhältnismäßigkeit wurde von den Verantwortlichen nach meiner Meinung nicht gewahrt.

Franz Danner, Prüm

Man muss unsere Politiker dahingehend loben, das sie bis dato die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Die Schutzmaßnahmen waren mehr als notwendig, im Gegensatz zu anderen Ländern, vor allem in Europa, die viel größere Probleme mit der Corona-Pandemie haben.

Trotzt allem muss jetzt nachgedacht werden, wie man die Industrie, da wo es möglich ist, wieder anlaufen lässt, um nach und nach einen normalen Zustand wieder herzustellen. Eine Industrie und Wirtschaft, die total am Boden liegen, wird Deutschland nicht verkraften, und der soziale Unfrieden wird immens sein.

Auch nach einer Lockerung der Schutzmaßnahmen wird man sich an gewisse Regeln halten, was überwiegend die ältere Generation vorbildlich gemacht hat. Laut den Polizeidienststellen der Länder sind die Verstöße gegen die Maßnahmen doch überwiegend von Jugendlichen begangen worden, welche die Lage offensichtlich nicht begriffen haben.

Wenn es jetzt Politiker gibt, die vorschlagen, dass man nur die älteren Menschen weiterhin mit Kontaktsperre und verschärften Maßnahmen stranguliert, wo doch gerade diese Generation sich vorbildlich verhalten hat, finde ich, dass nach dem Grundgesetz die persönlichen Freiheitsrechte eingeschränkt werden und wohl die ersten Klagen bei den Gerichten eingereicht werden.

Auch die Aussage von Ursula von der Leyen, man sollte dieses Jahr keinen Urlaub buchen oder den bereits gebuchten Urlaub stornieren, ist kontraproduktiv. Viele haben ihren Sommerurlaub schon gebucht, und wenn es keine Reisebeschränkungen gibt, kann der Urlaub nicht so einfach storniert werden – oder werden die Urlauber mit EU-Geldern entschädigt?

Was macht es für einen Unterschied, ob ich an Nordsee, Ostsee oder in Bayern eine Ferienwohnung gebucht habe, mich dort natürlich vorbildlich verhalte, oder zu Hause in meiner Wohnung bin und mich, allein schon wegen meiner Sicherheit, an die Schutzmaßnahmen einhalte? Ich jedenfalls werde meine gebuchten Urlaube nicht stornieren und mich selbstverständlich an alle Regeln halten.

Ich hoffe, dass die momentan schwierige Zeit für alle Bürger zu einem guten Ende führt, aber die Welt wird nach der Pandemie eine andere sein, und das werden wir alle zu spüren bekommen.

Marcel Schanen, Gusterath