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Den Rücken stärken statt draufhauen

Den Rücken stärken statt draufhauen

Zur Kundus-Affäre (der TV berichtete):

Zwei Kriegsschauplätze. Auf dem einen klauen die Taliban zwei voll beladene Tanklastwagen, angeblich wollen sie damit einen Anschlag verüben, der viele Menschenleben kosten würde. Um das zu verhindern, greifen Isaf-Luftstreitkräfte die entführten LKW an und zerstören sie. Leider kommen dabei auch Zivilisten ums Leben. Dafür die Soldaten verantwortlich zu machen, finde ich falsch und verantwortungslos. Die Zivilisten werden doch von den Taliban als lebende Schutzschilder benutzt! Von dieser schändlichen Tat habe ich noch nichts gehört. Stattdessen haut man auf die Soldaten drauf. Ich frage mich: Was sollen die Eltern der jungen Soldaten, die in Afghanistan ihr Leben auf Spiel setzen, denken, wenn sie den Zirkus in Berlin verfolgen? Man sollte sich mal ernsthaft die Gedanken machen, was ohne den Luftangriff passiert wäre? Stattdessen wird in Berlin ein neuer Kriegsschauplatz eröffnet, indem man sucht, wer nicht informiert oder nicht die Wahrheit gesagt hat. Jetzt hat man noch einen Untersuchungsausschuss gebildet; dessen Arbeit wird auf ein Jahr geschätzt. Man sollte besser den Soldaten den Rücken stärken als auf den politischen Gegner draufhauen. Im Evangelium heißt es: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Man fordert Rücktritte, weil angeblich falsch informiert wurde.

Ich stelle mir vor, wie das im Bundestag aussehen würde, wenn alle, die einmal eine Ausrede oder eine Notlüge oder die Unwahrheit gesagt haben, zurücktreten und ihr Mandat niederlegen müssten. Wie leer dann die Stühle im Plenum wären! Ich glaube, die haben alle Wichtigeres zu tun als auf den politischen Gegner eine Treibjagd zu veranstalten. Ich will keine Namen und keine Partei nennen, die sich besonders hervortun, aber ich empfehle, dass die sich mal vor den Spiegel stellen.

Matthias Weber, Mehring

Bundeswehr