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Der Aufschrei kommt zu spät

Der Aufschrei kommt zu spät

Zum Artikel "Weniger Geld für Solaranlagen" (TV vom 4. März):

Dass die Vergütung für Solarstrom schrittweise reduziert werden muss, war der Industrie bewusst - sie konnte damit leben. Eine Kürzung der Einspeisevergütung von 25 Prozent von heute auf morgen ist aber kaum zu verkraften und wird zwangsweise zu Pleiten bei Solarfirmen in Deutschland führen. Das hat der Lobbyist, pardon:Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) fein hinbekommen.

Die Energieriesen werden die Perlen der deutschen Solarindustrie (die Aktienkurse sind bereits bis zu 40 Prozent gefallen) für billiges Geld übernehmen und somit weitere Monopolstellung aufbauen, was später zum Preisdiktat, beispielsweise beim Elektroauto führen wird. Das ist wieder einmal Politik gegen Bürger zum Vorteil der Großkonzerne. Profiteure sind die Chinesen, die billiger anbieten und mittlerweile beste Qualität produzieren. Was ist das für eine Politik zur Stärkung der deutschen Wirtschaft?

Die Argumentation Röttgens, mit Kürzung der Einspeisevergütung würden die Stromkunden entlastet, ist reine Volksverdummung. Hierzu ein Paar Fakten: Erstens beträgt der Anteil der Kosten, welche die Energieversorger an Betreiber von Fotovoltaikanlagen zahlen, aber durch das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) von allen Stromkunden anteilig mitfinanziert werden, nicht einmal zwei Prozent der gesamten Stromkosten. Zweitens verdienen die Energieriesen an dem Gesetz, da sie weniger an die Betreiber der Solaranlagen bezahlen als sie dem Stromkunden in Rechnung stellen. Wieder einmal Betrug am Bürger. Drittens sind die Preise an der Strombörse massiv gefallen, die Stromlieferanten allerdings haben die Preise nicht gesenkt, sondern unverfroren, wie sie sind, sogar erhöht. Weitere Erhöhungen sind schon angekündigt.

Hallo, Herr Röttgen, aufwachen, wir Bürger werden langsam sauer, und denken Sie auch daran, dass die Stromversorger so gut wie nichts in die Erneuerung der Netze investieren, aber gleichzeitig Milliarden Euro steuerfreie Rücklagen gebildet haben! Ist das gerecht?

Was die Kommunen betrifft, sind deren Träume, als Betreiber von Fotovoltaikanlagen die leeren Kassen aufzufüllen, mit der jetzt gestrichenen Förderung geplatzt.

Ich kann deren Aufschrei nicht verstehen. Sie sollten eigentlich das Erneuerbare-Energien-Gesetz kennen. Warum kommen die Damen und Herren Kommunalpolitiker erst jetzt darauf, kommunale Solaranlagen zu bauen? Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben/der Bürger. Ich frage mich allen Ernstes, warum diese Politiker noch im Amt sind.

Hans-Joachim Selzer, Bernkastel-Kues

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