Der Karren ist im Dreck festgefahren

Der Karren ist im Dreck festgefahren

Zum Artikel "Die Schmerzgrenze ist noch nicht erreicht" (TV vom 28. Dezember):

Was möchte ein guter Arzt machen, der jahrelang studiert hat, sich Nächte in Bereitschaftsdiensten um die Ohren geschlagen hat, als Assistenzarzt für wenig Geld viel Leistung erbringen musste? Was möchte der am liebsten nach dieser harten Zeit machen? Er möchte Menschen gesund machen und Geld verdienen. Als niedergelassener oder Klinikarzt.

Was aber, wenn er kein guter Arzt ist? Er geht in die Politik und reformiert die kranke Gesundheitskasse. Er reformiert ein System zu Tode, das unsere Republik groß gemacht hat. Ein System, das sogar von der liberalsten Marktwirtschaft in den USA kopiert werden möchte.

Herr Rösler öffnet kurzfristig Märkte für die Private Krankenversicherung (KV), um deren Überleben zu sichern, macht damit die Gesetzliche KV noch mehr kaputt, sprich unattraktiv, indem er die Verdienstgrenze für den Wechsel in die Private KV noch weiter herabsetzt. Was zur Folge hat, dass die Krankenkassen Sonderbeiträge erheben müssen. Ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt.

Herr Rösler sollte sich einmal bei unserem Nachbarn Luxemburg umsehen. Dort gibt es ein System, das sehr gut funktioniert. Das zugegeben auch übersichtlicher, weil kleiner ist, und, und, und. Aber dort muss jeder in der Gesetzlichen Krankenkasse sein, egal wie viel oder wie wenig er oder sie verdient. Wer meint, mehr oder besser versichert sein zu müssen, kann das privat tun.

Das, Herr Rösler, ist Solidarität. Solidarität, so etwas kennt man in der FDP von heute, wie man zurzeit sieht und hört, wohl nicht mehr.

Doch kann es nicht sein, dass eine Klientelpartei - oder sollte man sie für die Zukunft einfach Hotelpartei nennen -, wie Rösler einer angehört, unser System, das sicher einige Fehler hat, ganz kaputt macht! Philipp Rösler sollte dafür sorgen, dass die Pharmalobby an Einfluss verliert und alle Menschen in Deutschland in die Gesetzliche Krankenkasse einbezahlen müssen. Es führt kein Weg an einem Solidarsystem im Gesundheitswesen vorbei.

Der Karren Gesundheitswesen ist bis über die Achsen im Dreck festgefahren, es wäre aber machbar mit gutem Willen und guten Leuten, ihn wieder flottzubekommen.

Peter Kühn, Temmels

gesundheit