1. Meinung
  2. Leserbriefe

Bildung: Der letzte Sargnagel

Bildung : Der letzte Sargnagel

Zum Artikel „Ganztagsbetreuung soll Geld in die Kasse spülen“ (TV vom 21. Januar) und weiteren Beiträgen zum Thema schreibt Daniel Karl:

Derzeit wird über die Kosten der Einführung des Rechtsanspruches für die Ganztagsbetreuung an Grundschulen diskutiert. Das finanzielle Problem ist noch das kleinere Übel. Der mit der staatlich organisierten Vollversorgung einhergehende gesellschaftliche Bewusstseinswandel ist viel gravierender. Als erstes wird es das schon angeschlagene ehrenamtliche Vereinswesen treffen. Das Kind kann sich während der Woche sportlich in der Betreuung betätigen, benötigt aber den gemeinschaftlichen Wettkampf am Wochenende nicht mehr. Das Kind lernt ein Instrument, die zusätzlichen Proben und Auftritte sind zu viel, es bekommt eine Stimmbildung, singt aber nicht im Chor. Eltern müssen am Wochenende das schlechte Gewissen beruhigen und selbst was mit dem Kind unternehmen.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung wird der letzte Sargnagel für ein ehrenamtliches Vereinswesen sein, wie es das Land seit Jahrzehnten prägt. Auch eine Beteiligung der Vereine an der Betreuung wird daran nichts ändern.

Zuerst wird die Jugendarbeit mangels Masse eingestellt, und dann folgt mit Verzögerung der Seniorenbereich, ob Sport, Kultur oder Brauchtum.

Dass die SPD mit diesem Projekt ihr sozialistisches Weltbild verwirklichen will und die Eltern mit dem süßen Gift der Abnahme von Verantwortung durch staatliche Bevormundung ihre gesellschaftlichen Vorstellungen aufnötigt, überrascht nicht.

Schleierhaft ist allerdings, warum die CDU, welche sich einst als bürgerliche Partei und Interessenvertreter des ländlichen Raumes verstand, mitmacht. Der ländliche Raum wird wieder mal der große Verlierer sein.

Es mutet nur auf den ersten Blick seltsam an, dass ein wirtschaftsnahes Institut wie das DIW einer Verstaatlichung der Erziehung mit einer geschönten Studie das Wort redet. Die grenzenlose Verfügbarkeit von Arbeitskraft ähnlich wie zu Zeiten von Karl Marx ist die beste Unterstützung für die Wirtschaft. Im Gegensatz zu vor 200 Jahren werden sich die Bürger nun aber freiwillig dafür entscheiden und der gesellschaftliche Zusammenhalt weiter schwinden.

Daniel Karl, Igel