Der Osterspaziergang

Unseren Osterspaziergang vor vielen Jahren werde ich nie vergessen. Der Frühling hatte endlich den Winter vertrieben.

Ihr müsst nämlich wissen, dass der Winter ewig lange dauerte.
"Schaut mal, hier hat der Osterhase für euch ein Osterei versteckt", rief Vati uns zu. Richtig, nun sah ich es auch, flink hob ich es auf und gab es Mama. Hans, mein Bruder, fand das nächte Osterei und so ging es immer fort. Auch fanden wir allerlei Süßigkeiten. Wir gaben unsere gefundenen Schätze immer der Mama, denn Vati sammelte fleißig mit uns.
Die Vögel begleiteten uns zwitschernd auf unserer Wanderung. Nach einiger Zeit legten wir eine Pause ein, und setzten uns auf einen abgesägten Holzstamm. "Mama zeig mal, wie viel haben wir denn schon gesammelt?", fragte ich aufgeregt. Mama zeigte uns ein kleines Körbchen, das bis zum Rand mit Ostereiern und Süßigkeiten gefüllt war. Es war kurz nach dem Krieg und da gab es noch nicht so viel zum Schnuppen. Wir bekamen jeden Abend nur ein Stück Schokolade, das wir ganz langsam im Mund zergehen ließen.
Hans schaute sich das kleine Körbchen genau an, dann zählte er die Ostereier, die darin lagen. Dazu nahm er seine Finger zur Hilfe. Obwohl er erst fünf Jahre alt war, konnte er schon bis zehn zählen. Weiter kam ich mit sechs Jahren auch nicht.
"Was zählst du denn?", wollte Mama wissen. "Ich zählte die Ostereier, aber da fehlen welche, wir haben viel mehr gefunden!", meinte er und sah Mama fragend an. Mir war das gar nicht aufgefallen, denn das Körbchen war ja bis obenhin voll. Nun ja, Vati war einige Male vorgelaufen und hatte die Eier immer wieder neu versteckt. Da konnte jeder schon sehen, dass Hans mal einmal ein guter Mathematiker werden würde.
Vati erklärte uns darauf, dass der Osterhase auch den anderen Kindern etwas bringen müsste, sonst würde ihnen das Herz verbluten. Mit diesem Argument waren wir natürlich voll und ganz einverstanden. Wir wollten doch nicht, dass den anderen Kindern das Herz verblutet!

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