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Gesundheit: Der wahre Feind

Gesundheit : Der wahre Feind

Zur Berichterstattung über das Coronavirus schreiben Isolde Schnorbach, Michael Rost, Michael Theis, Franz Danner und Christa Stock:

Ich war am vergangenen Freitag in zwei Lebensmittelläden (Bioladen und Supermarkt) einkaufen und doch sehr erstaunt über die Hamsterkäufe. Einen Tag später sagte ein guter Freund ein gemeinsames Frühstück ab, aus Angst, ich könnte unwissentlich infiziert sein.

Im Verein wurde ein italienischer Mitbürger „verdächtigt“, möglicherweise infiziert zu sein, weil er vor drei Wochen seinen alten Vater in Rom besucht hatte. Er ist immer noch bester Gesundheit. Über eine weitere Person wurde spekuliert, sie könnte infiziert sein, weil sie übers Wochenende in Frankreich war.

Es scheint sich eine allgemeine panische Kopflosigkeit zu verbreiten. Soweit mir bekannt, fällt das Coronavirus nicht vom Himmel. Die Übertragungswege sind bewiesen, ebenso sind die Maßnahmen, um eine Ansteckung unter gesunden Menschen zu verhindern, bekannt. Wir haben ein funktionierendes Gesundheitssystem.

Mir scheint, nicht Corona ist unser Feind, sondern Panik, Angst und Egoismus.

Isolde Schnorbach, Trier

In der Analyse „Warum 100 die bessere Corona-Obergrenze wäre“ (TV vom 13. März) wird die Anek­dote über Sissa ibn Dahir, den mutmaßlichen Erfinder des Schachspiels, angeführt. Sie ist ein gutes Beispiel für das exponentielle Wachstum einerseits und die Unwissenheit vieler über dessen Auswirkungen andererseits. Die Menge der letztlich auf den 64 Feldern des Schachbrettes angehäuften Reis- oder Weizenkörner (es existieren beide Lesarten) betrug 2 hoch 64 minus 1, eine Menge, die die Kornkammern des Herrschers Shihram bei weitem nicht hergaben, die auch heute die Weltjahresernte von Weizen um etwa das Tausendfache übersteigt.

Übertragen auf die beabsichtigte Intention des Autors muss er sich aber vorhalten lassen, dass auch er nicht richtig rechnen respektive abschätzen kann. Schon auf dem 26. Feld wären fast so viele Körner wie derzeit Einwohner von Deutschland, und auf dem 33. Feld schon mehr, als der derzeitigen Weltbevölkerung entspricht.

Um rechtzeitig vorbeugen zu können, wäre wohl schon eine Ansammlung von Personen in der Stärke einer Fußballmannschaft zu viel.

Und wenn schon ein (!) positiv Getesteter eine ganze Hausarztpraxis (von circa 50 in ganz Trier) für zwei Wochen aus dem Verkehr zieht …

Michael Rost, Sirzenich

Eigentlich wollte ich einen Leserbrief über Pflegekräfte – meinen Berufsstand – schreiben, die besser bezahlt und entlastet werden müssten. Nun kommt aber die Corona-Krise, und wir alle auf dem Planeten werden gebraucht, egal in welcher Berufssparte.

Jetzt ist die Apokalypse Wirklichkeit, und viele Menschen kaufen die Läden leer. Ich habe am vorigen Samstag eine Frau älteren Alters beobachtet, die versucht, mit gut 30 Packungen Müsli über die Runden zu kommen ... und einen Herrn mittleren Alters, der anscheinend ein Hotel betreibt, oder wozu braucht er knapp 100 Klopapierrollen.

Eine Freundin, die einen Lebensmittel laden leitet, hat noch nicht mal an Weihnachten so einen enormen Umsatz verzeichnet. Krass! Leere Regale, wo man nur hinsieht! Eigentlich wollte ich mir noch eine Knolle Ingwer zur Stärkung der Abwehrkräfte gönnen, keine Chance!

Ich hätte noch mehr Alltagserlebnisse auf Lager. In diesem Sinne, verbunkern wir uns! Auf die Gesundheit!

Michael Theis, Korlingen

Pandemie oder Hysterie? Ich kann es bald nicht mehr hören. Alle Medien verbreiten übertrieben Meldungen über das ja so gefährliche Coronavirus. Dieses Virus ist laut einiger Virologen nicht gefährlicher als ein Grippevirus. Für gesunde Menschen besteht keine Lebensgefahr.

Bei Menschen mit Vorerkrankungen ist das Coronavirus, genauso wie das Grippevirus, natürlich nicht zu unterschätzen. Wir habe zur Zeit circa 80 000 Grippekranke in Deutschland, die Ansteckungsgefahr ist ähnlich wie bei Corona. Ich habe noch nie gehört, dass ein Fußballspiel oder andere Großveranstaltungen wegen einer Grippe-Epidemie abgesagt wurden. Man stelle sich vor, wir hätten so viele Coronakranke wie Grippekranke in Deutschland. Ich glaube, die Welt würde untergehen. Die Supermärkte wären leer, die Betriebe alle geschlossen. Chaos ohnegleichen. Wenn die Gesundheitsbehörden sich ruhig und sachlich und ohne Hysterie über das Coronavirus äußern würden, wäre nicht so viel Angst unter den Menschen.

Jedes Jahr sterben Tausende, weil sie sich mit Krankenhauskeimen infizieren. Jedes Jahr sterben Tausende, weil sie falsche Medikamente bekommen (zu stark, zu schwach, gefährliche Wechselwirkung). Ich wünsche mir und uns eine ehrliche, fundamentierte Berichterstattung von den Gesundheitsbehörden über die derzeitige Pandemie.

Franz Danner, Prüm

Es ist erstaunlich zu sehen und zu erleben, wie besorgte Bürger Toilettenpapier hamstern. Die Regale sind abends leergeräumt.

Mein Vorschlag zur Entspannung dieser Krise: Ich (geboren 1944) kann mich daran erinnern, dass es in meiner Kindheit ein Luxus war, weißes gerolltes Toilettenpapier zu besitzen, geschweige, es zu benutzen! Nein! Wir falteten akkurat die Seiten der Zeitung Trierischer Volksfreund, und mit einem Messer wurden die Faltstellen in Streifen zerteilt, dann noch einmal gefaltet und zuletzt in Klopapierblätter zerteilt (heute würde man von einer privaten Klopapiermanufaktur sprechen).

Im Moment, da die Kinder nicht zur Schule gehen dürfen und die Eltern dringend Beschäftigung für ihre gelangweilten Kinder suchen (aber auch ältere, in Quarantäne lebende Erwachsene, die diese Falt- und Schneidetechnik noch aus eigener Erfahrung kennen), könnten für den eigenen Gebrauch dem Problem schnell ein Ende bereiten! Dabei braucht keiner die Wohnung zu verlassen und käme auch nicht mit fremden Menschen in Kontakt!

Und noch ein Vorschlag: Ich kann mich auch daran erinnern, dass wir bei unseren Toilettensitzungen nie Langeweile hatten! Wir schütteten die Zeitungsblättchen vor uns aus und bemühten uns dann, sie wieder zu einer gesamten Seite zusammenzusetzen (wie die heute beliebten Puzzles)!

Da es in jeder Wohnung nur eine Toilette gab und unsere Puzzle-Sitzungen oft länger dauerten, gab es immer ein Geklopfe und Geschimpfe vor der Klotür! Denn oft hatte es der Wartende vor der Tür äußerst eilig!

Ich erinnere mich, dass unsere Mutter auch streng darauf geachtet hat, dass wir als Klopapier keine Volksfreund-Seiten mit Todesanzeigen benutzten. Die Namen der Toten und das darauf abgebildete Kreuzsymbol durften nicht im Klo landen!

Wenn nun wieder – in der momentanen Krankheitskrise – die Familien selbst ihre Blättchen reißen, wäre das Toilettenpapier-Hamstern problemlos einfach und gesellig gelöst! Viel Spaß und gute Verrichtung!

Christa Stock, Trier