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Umwelt
Deutliches Zeichen für den Schutz von Mensch und Natur

Landwirtschaft

Zu der Berichterstattung über die geplante Erweiterung der Biogasanlage Altrich schrieb uns ein Leser folgendes: „Altricher lehnen Erweiterung der Biogasanlage ab“ – unter diesem Titel berichtete der TV am 1. Oktober 2010 über das Nein des Gemeinderates Altrich zum Ausbau von 500 auf 1100 elektrische Kilowatt. Nun steht die Erweiterung um das Doppelte wieder an. Der Gemeinderat Altrich hat bereits die Änderung des Flächennutzungsplanes beschlossen, und der Bauausschuss der Verbandsgemeinde empfiehlt es ebenso. Wenn das Ausschussmitglied der VG, Stephan Müllers, aber sagt: „Wir Altricher könnten mit der Erweiterung sehr gut leben“, spricht er sicher nicht für alle Einwohner.

Verwundert reibt sich der Bürger ob der Kehrtwendung um 180 Grad die Augen. Einige Aspekte sind bisher nicht thematisiert oder bedürfen eines anderen Blickwinkels: 1. Zurzeit kommen 13 000 Tonnen Mais und Getreide zur Vergärung. Mit dieser Menge liegt die Anlage im genehmigten privilegierten Bereich. 30 000 Tonnen Biomasse könnten es nach dem Ausbau sein. Auf einer Fläche von 650 Hektar werden derzeit 24 000 Tonnen Futtermittel angebaut. Bei 30 000 Tonnen wird entsprechend mehr Land gebraucht. Wenn der Landwirt davon spricht, dass er längst alle erforderlichen Felder habe, so sollte diese Argumentation nicht verfangen.

Fakt ist, dass er für die jetzige Anlage nur 13 000 Tonnen Biomasse benötigt, aber über den wirklichen Bedarf hinaus laufend neue Ländereien hinzu gepachtet hat. Zum Verkauf von Futtermittel? Vielleicht! Oder in der Absicht, genügend Felder für eine größere Anlage zur Verfügung zu haben?  Im Klartext: Ackerland wurde längst im Vorgriff dem Markt entzogen und hat diesen verknappt. Das hat nicht jeden Landwirt erfreut, da in Folge Pachtland teuer wurde. 2. Die Feldfrüchte werden oft über weite Strecken von abgelegenen Feldern antransportiert. Bis zu 2000 Fahrten sind jährlich nötig. 3. Mit Erschließung des neuen Baugebietes Biesfeld verringert sich der Abstand der Anlage zum Ortsrand auf etwa 500 Meter. Zudem will in Nähe der Anlage die Bundesbahn eine Bahnstation bauen. 4. Wer ist Betreiber der Biogasanlage?  Die Frage ist wichtig, wenn es um die Haftung geht, die zum Beispiel bei einer GmbH & Co. KG  sehr eingeschränkt ist. 5. Wer über die Fluren der umgebenden Gemeinden streift, wird auf seinem Weg kilometerlang eingerahmt von hohem Mais. Die Vermaisung hat zu einer Verarmung von Flora und Fauna geführt. Die Entscheidung zum Ausbau der Biogasanlage ist von großer Bedeutung. Ein Nein wäre ein Zeichen für eine lebenswerte Heimat und für den Schutz von Mensch und Natur.