Gesundheit : Dickes Lob

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Petra Pauli, Thorsten Zöllner und Rainer Ludwig:

Als ich am Montagmorgen gegen sieben Uhr wie gewohnt auf meiner morgendlichen Walking-Runde den Bahnhof meines Wohnortes passierte, kam mir ein kleines Mädchen entgegen, geschätzt zehn oder elf Jahre alt, das wohl zu seiner Bahn nach Trier wollte. Insofern nicht ungewöhnlich, wenn nur die Erscheinung des Mädchen mich nicht so berührt hätte. Die Kleine ging etwas langsam, fast schon bedrückt, wie mir schien. Sie trug eine rote Nikolausmütze mit weißem Plüschrand und weißem Pompon. Auf der Mütze waren lauter kleine Glitzersteine, die in der Bahnhofsbeleuchtung wild funkelten. Unterhalb der Mütze waren ein Spalt breit die Augen zu sehen und dann kam nur noch Mund-Nasen-Schutz! Keine Mimik, keine, vielleicht von der Morgenkälte geröteten Wangen, kein Tönchen aus ihrem Mund.

In einer Hand trug sie eine Geschenktüte, die bedenklich nahe über dem Asphalt schlenkerte – darin vielleicht das Wichtelgeschenk für einen Klassenkameraden oder eine Klassenkameradin – vermutete ich. In einem anderen Jahr wäre es mir wohl kaum sonderlich aufgefallen, dass mir ein Kind am Bahnhof begegnet, das ist gang und gäbe zur besagten Zeit, aber in diesem Jahr, einen Tag nachdem der „harte Lockdown“ beschlossen worden war, sah ich in der Gestalt dieses kleinen Mädchens das ganze „Elend“ dieses Jahres vereint.

Keine Zahlen, keine Fakten, keine Expertenmeinung, kein Regierungsbeschluss, keine Statistiken und keine Prognosen haben es bisher geschafft, eine solche Wirkung auf mich zu haben.

Rational und emotional hat wohl jeder Mensch weltweit mehr oder weniger sein „Corona-Jahr“ durchlebt und seine Geschichte dazu, so wohl auch das kleine Mädchen von diesem Montagmorgen. Überhaupt haben unsere Kinder einmal ein dickes Lob verdient, denn seit Wochen sind sie „Maskenträger“ in der Schule, in der Bahn, im Bus und wo immer es erforderlich ist. Es ist nicht die lustige Karnevalsmaske, die Schultheatermaske, die Halloween-Maske, nein, es ist die Maske, die Leib und Leben des Trägers/der Trägerin und der anderen schützen soll in diesen Corona-Zeiten. Deshalb liebe Kinder und auch Jugendliche: Hut ab! Weil Maske auf! Auch wenn’s alles andere als Spaß macht! Bleibt gesund, bleibt optimistisch und lasst euch nicht unterkriegen! Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2021!

Petra Pauli, Schweich

Zum Artikel „In Rheinland-Pfalz geschlossen, im Nachbarland geöffnet“ (TV vom 17. Dezember):

Schulen werden quasi geschlossen, Gastronomie, Einzelhandel, Blumen- und Buchläden genau wie Fahrschulen bleiben dicht. Es dürfen sich maximal fünf Personen aus zwei Hausständen treffen. Unser Land ist in einen harten Lockdown gegangen. Nur die Werkstätten für behinderte Menschen nicht, sie bleiben voll geöffnet! Dort arbeiten bis zu 40 Personen (aus mehreren Hausständen) in einer großen Gruppe zusammen. Dabei gehören viele behinderte Menschen der Risikogruppe an und können aufgrund von unterschiedlichen Krankheitsbildern die vorgegebenen AHA-Regeln nicht immer einhalten.

Ich bin beruflich tätig in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) und der Meinung, das Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben findet seine Grenzen zum Schutz der Gesundheit.

In Rheinland-Pfalz vermisse ich einen gesetzlich verankerten Gesundheitsschutz für Beschäftigte, die einer Risikogruppe angehören. In Baden-Württemberg ist festgelegt, dass Beschäftigte, bei denen aufgrund ärztlicher Bescheinigung die Behandlung einer Erkrankung mit Covid-19 nur eingeschränkt möglich ist oder ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Erkrankung mit Covid-19 vorliegt, nicht für Tätigkeiten mit vermehrtem Personenkontakt und nicht für Tätigkeiten eingesetzt werden dürfen, bei denen der Mindestabstand zu anderen nicht eingehalten werden kann.

Innerhalb Deutschlands wird der Gesundheitsschutz also länderspezifisch unterschiedlich gewichtet! Unsere Volksvertreter schaffen es nicht einmal, in Deutschland für Einigkeit und Recht zu sorgen und sprechen dann (groteskerweise!) von einem vereinten Europa.

Auf der Homepage des Bundesamtes für Arbeit und Soziales steht: „Ein allgemeines Recht des Arbeitnehmers, bei Ausbruch einer Erkrankungswelle wie Covid-19 der Arbeit fernzubleiben, gibt es nicht. Für das Eingreifen eines Leistungsverweigerungsrechts wäre es erforderlich, dass ihm die Erbringung seiner Arbeitsleistung unzumutbar ist (§ 275 Abs. 3 BGB). Eine Unzumutbarkeit ist zum Beispiel dann gegeben, wenn die Arbeit für den Betroffenen eine erhebliche objektive Gefahr oder zumindest einen ernsthaften objektiv begründeten Verdacht der Gefährdung für Leib oder Gesundheit darstellt. Das bloße Husten von Kollegen ohne weiteren objektiv begründeten Verdacht oder Anhaltspunkte für eine Gefahr wird dafür wohl nicht ausreichen.“

Ich bin sprachlos! In einer Krise braucht es klare Regeln und Vorgaben, keinen juristischen Wirrwarr!

Thorsten Zöllner, Reinsfeld

Zum Leserbrief von Arno Strobel unter der Überschrift „Mal hü, mal hott“ (TV vom 16. Dezember):

Der Beitrag kann nicht unwidersprochen bleiben. Arno Strobel kritisiert die Entscheidungen der Länderregierungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in einer Weise, die nicht akzeptabel ist. Ich bin der Meinung, dass der Arbeit der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mehr Respekt gebührt. Sie haben es sich bei den verordneten Maßnahmen im Widerstreit mit den Grund- und Freiheitsrechten nicht leicht gemacht. Wer wie Herr Strobel das Fehlen eines für alle verbindlichen, einheitlichen Fahrplans für ganz Deutschland beklagt, verkennt völlig die Lage, die nach wie vor regionales Agieren erfordert. Vor allem erscheint es mir unangebracht, den handelnden Persönlichkeiten mit Blick auf die nächsten Wahlen egoistische Bedürfnisse zu unterstellen. Ich halte dagegen und hoffe, dass die beispielhafte überparteiliche Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Corona-Krise keinen Anlass für die Verbreitung einer derart haltlosen Ansicht bietet.

Es gibt in unserer so herausfordernden Zeit eine Fülle anderer Themen, die für die Stimmabgabe und das persönliche Ansehen relevanter sind. Geradezu absurd ist es, angesichts des verordneten Lockdowns von Uneinigkeit, Unentschlossenheit und halbherzigen Entscheidungen zu sprechen und zur Kritik selbst keinen konstruktiven Beitrag zu leisten. Wer so urteilt, findet eher Anklang bei Zeitgenossen, die sich haarsträubende Geschichten fürs Querdenken einfallen lassen.

Die Unberechenbarkeit des Coronavirus’ und der Verlauf des Infektionsgeschehens lassen keine verlässlichen Planungen zu. Die klügsten Köpfe kommen gegen die Heimtücke nicht an. Zum Glück ist Deutschland ein föderativer Staat, dessen Verfassung grundsätzlich die Ausübung der staatlichen Befugnisse (Artikel 30 Grundgesetz) den Ländern zugewiesen hat. Ich denke, dass sich dieser Vorteil in der Krise bewährt hat, auch im Vergleich zum zentralistisch organisierten Frankreich, das die zweite Welle noch viel härter getroffen hat. Kritische Geister sind willkommen, aber Vernunft, Geduld und Disziplin ebenso.

Rainer Ludwig, Kordel