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Die Eisenbahn-Infrastruktur aufbauen statt abbauen

Leserbrief : Die Eisenbahn-Infrastruktur aufbauen statt abbauen

Stadtentwicklung Gerolstein

Zum Artikel „In Gerolstein geht´s rund!“ (TV vom 24. Juni) und weiteren Artikeln zur Stadtentwicklung in Gerolstein:

Lobenswert beim Bahn-Kreisverkehr in Gerolstein sind die Vorleistungen, um den geplanten ZOB auf dem Hutter-Parkplatz per Schiene an den Bahnhof anzuschließen. Die Richtung stimmt. Doch das durchweg zu verbinden, könnte dauern. Und der Umstieg von Bus zu Bahn verliefe einzig über unsichere Bundesstraßen. Denn dort, wo täglich 15 000 rollende Fahrzeuge ein Indiz von Lebendigkeit sind, soll eine neue Querung über Kyllpark und Eisenbahn, autobahnartig ausgebaut, die Angst vorm Stillstand für ewig bannen.

Galt die Eifel seit jeher als rückständig und strukturschwach, so sollte von ihr nun nicht abverlangt werden, auf der Höhe der Zeit zu sein. Man sollte Eisenbahn-Infrastruktur aufbauen, anstatt, wie nach Prüm, abbauen, die Fahrgastzahlen im ÖPNV verdoppeln. Die Verkehrswende prallt ab an Eifeler Windschutzscheiben. Konsequenterweise sollte auf die Millionen von Euro für den nachhaltigen Stadtumbau verzichtet werden. Abrisse, Schließungen, wie beim Krankenhaus, Trümmerhaufen, graue Platten, Abbau von Preußens Eisenbahn. Kein Plan von nix, aber 15 000 Autos, LKW, Busse. Das ist Deutschlands Brunnenstadt 2021.

Nun gilt es, den Bahnhof neben dem Brunnengelände als das zweite Element von Entwicklung zu verstehen. Nachhaltige Verkehre bündeln, EifelQuer-&WestEifelBahn reaktivieren, das Massengut Sprudelkiste auf die Bahn verladen und den ZOB am Bahnhof bauen. Wo sonst? Zwischen Bahnsteig 3/Gleis 6 und Kasselburger Weg ist genügend Raum.

Mit Anfahrt der Busse über den Güterbahnhof und Abfahrt zum Kreisel Sarresdorf hätten Fahrgäste einen sicheren Zugang zur neuen Fahrgastbrücke. Den Bussen stünde genügend Parkraum bereit, und ungenutzte Parkplätze am Rondell könnten sich in eine lebendige Stadt mit Aufenthaltsqualität und Wochenmarkt verwandeln.

Würde auch noch das Konzept Reisebedarf verstanden, so entstünde, zum Beispiel oberhalb des ZOB, eine Verwaltungs-, Einkaufs- und Konsumgelegenheit im 24/7-Modus mit Terrasse nach Süden und aufgeschlossener Toilette. Schon hätte Gerolstein ein weiteres eifelweites Alleinstellungsmerkmal, und das Wohin mit touristischer Notdurft wäre dann auch geklärt. Eine saubere Sache.