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Die "Flinke Nadel" im Café-Welcome und ein ungewöhnlicher Besuch

Hiltrud Weyand (links) mit Amal und ihrer Mutter und Shahad, dier kleinen Dolmetscherin. Foto: gisela lohmüller
Hiltrud Weyand (links) mit Amal und ihrer Mutter und Shahad, dier kleinen Dolmetscherin. Foto: gisela lohmüller FOTO: (g_wissen
Seit mehr als einem Jahr gibt es im Bürgerhaus Trier-Nord die Frauengruppe "Flinke Nadel", die sich einmal in der Woche zum Handarbeiten trifft. Hiltrud Weyand war die Initiatorin und leitet die Gruppe. Gisela Lohmüller aus trier

Es wird gestrickt, gehäkelt und genäht; wie sich das gehört: mit einer flinken Nadel. Es sind fast alles Frauen, die in der Umgebung wohnen, geflüchtete Frauen aus verschiedenen Ländern und deutsche Frauen. Wolle in allen Farben ist auf den Tischen ausgebreitet, ebenso Strick- und Häkel-Nadeln in allen Größen. Sehr wichtig sind die Musterbücher mit den verschiedensten Modellbeispielen. Es herrscht ein buntes Durcheinander. Selbstverständlich dürfen Kaffee, Tee, Wasser und Gebäck nicht fehlen. Muntere, aber auch ernste Gespräche begleiten diese buntgemischte, frohe Frauenrunde. Manche haben ihre Kinder mitgebracht, die sich mit den Büchern und Spielen in unserer Kinderecke beschäftigen.
Die Frauen haben mit den Ergebnissen ihrer Arbeiten im Mai eine kleine Ausstellung im Lesesaal der Volkshochschule im Palais Walderdorff geplant.
Shahad, ein zehnjähriges Mädchen, ist unsere kleine Dolmetscherin. Sie geht schon länger in die Ambrosius-Schule und hat sehr gut Deutsch gelernt. Sie ist musisch begabt, zeichnet und singt sehr schön, versucht sich auch in Stricken und Häkeln und ist aufmerksam auf alle unsere Gespräche.
Ich kenne sie schon seit langem, denn sie kommt auch immer in unser Dienstags-Café. Shahad ist ein kleines Mädchen mit einem großen Herzen!
Heute war eine junge, syrische Familie, die in Ehrang wohnt, zum ersten Mal gekommen. Die kleine, zarte Mutter Omeima mit der zwei Monate alten Amal, (bedeutet Hoffnung!), der zweijährigen Risma und dem jungen Vater. Der Vater setzte sich sofort an einen ruhigen Tisch im Café zu Ludwig Weyand, der mit ihm Deutsch übte. Die kleine Risma schlief in ihrem Kinderwagen.
Die Mutter mit dem Baby saß die ganze Zeit in unserer Runde. Amal schaute mit wachen Augen aufmerksam in die Welt und lächelte manchmal ganz leicht, wenn man sie ansprach. Ich nahm gleich den kleinen Engel in die Arme, damit die Mutter das Häkeln lernen konnte. Nur einmal musste sie eine Pause machen, um das Baby zu stillen. Wie schön hat die Natur das doch eingerichtet!
Und dann geschah etwas sehr Schönes, was sicher kaum jemand sonst bemerkt hat.
Die Türe vom Café war wegen des schönen Frühlingstages weit geöffnet. Ich setzte mich mit der kleinen Amal in unsere Kinderecke. Da kam ein alter Mann herein, der etwas ungepflegt aussah.
Als er das Baby sah, strahlte sein Gesicht. Er kam auf uns zu, und ich blickte in sein faltiges Gesicht mit den guten, strahlenden Augen. Er berührte ganz zart das Händchen des Kindes und streichelte es vorsichtig. Die kleine Amal schaute ihn mit wachen Augen an und lächelte ihm zu.
Er sprach die ganze Zeit kein Wort. Dann ging er wieder hinaus.
Wer war dieser Mann? Was mag er gedacht haben? Warum berührte ihn dieses Kind so tief?
Ich weiß es nicht, war aber sehr bewegt von diesem ungewöhnlichen Besuch, der so ganz ohne Worte verlief.
Ich ging mit dem Baby zu den Frauen zurück und dachte zuerst nicht mehr daran.
Erst daheim fiel mir diese anrührende Szene wieder ein, und ich dachte darüber nach.
Hatte bei dieser ungewöhnlichen Begegnung der Himmel die Erde berührt?
Ich denke, so war es!