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Auto: Die Ölparty ist vorbei

Auto : Die Ölparty ist vorbei

Zum Leserbrief „Mythos kontra Realität“ (TV vom 9./10. Februar) schreiben Harald Thielen-Redlich und Barbara Theiß:

Ich gehe davon aus, dass Edwin  Kleins Behauptungen nicht auf eigener Erfahrung basieren. Eine Zitat-Suche brachte mich jedenfalls auf die Internet-Seite von EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie), seit vielen Jahren für extrem klimaskeptische Positionen einschlägig bekannt. Eigentlich ist damit alles zur Seriosität dieses Leserbriefs gesagt; für die Interessierten aber noch kurz zu seinen wichtigsten Thesen:

1. Die Förderung von Kobalt muss dringend international besser kontrolliert werden, das fordern auch Umweltverbände. Besonders bemerkenswert jedoch ist, dass derartige Missstände (sofern sie nichts  mit alternativen Technologien zu tun haben) seit Jahrzehnten außer  Umweltgruppen kaum jemanden interessiert haben – genauso wenig wie die unübersehbaren, gigantischen Schäden an Mensch und Umwelt durch die konventionelle Ressourcennutzung.

2. Lithiumsalze sind in Wasser allgegenwärtig und werden sogar therapeutisch verwendet. Ein Vergleich mit radioaktiven Substanzen ist  vollkommen abwegig. Die Gewinnungsmethoden von Lithiumsalzen aus Meerwasser und Alt-Akkus sind marktreif.

3. Sämtliche Ressourcen für E-Autos sind (im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen) recyclingfähig beziehungsweise regenerativ. Die CO2-Bilanz der Akkuproduktion wird noch beeinträchtigt durch die Verwendung fossiler Energien; zunehmend werden hier jedoch regenerative Energien eingesetzt werden (allein schon aus Kostengründen). China hat 2017 mehr Strom-Kapazitäten aus PV installiert als aus Kohle, und Elon Musk plant seine Giga-Factory mit Solarstrom.

4. Dass die Li-Akkus zurzeit den Markt dominieren, liegt auch an den Erfolgen dieses Akkutyps in der Unterhaltungselektronik. Wenn die Unkenrufe über zukünftige Lithium- und Kobalt-Engpässe ein ernstes  Problem wären, hätte man sicher nicht viele Milliarden Euro in diese Technik investiert. Davon abgesehen gibt es sehr robuste Alternativen aus Massenrohstoffen.

5. Sämtliche (!) namhaften Umweltverbände und Energie-Denkfabriken plädieren für einen Ersatz des Verbrennermotors durch elektrische Antriebe. Dort arbeiten namhafte, hochqualifizierte Experten (im Gegensatz zu EIKE). Diese Experten sagen auch, dass ein 1:1-Ersatz nicht sinnvoll ist. Für die allermeisten Zwecke würde auf dem Land eine Flotte autonomer Leih-Fahrzeuge ausreichen, die Zubringerdienste zum ÖPNV leistet.

Obwohl mit dem konventionellen Ausbeutungssystem exorbitante Geldsummen umverteilt wurden, versucht man zunehmend, die Zivilgesellschaft mit dem Argument hoher Kosten von den Alternativen  abzubringen. Dabei bieten diese Klimaschutz, viel mehr Arbeitsplätze und schaffen Unabhängigkeit von den Mächtigen dieser Welt. Ölkriege, Peak Oil und Klimawandel jedenfalls lassen weltweit die Überzeugung schwinden, dass fossile Brennstoffe der Garant für nachhaltigen Wohlstand für alle sind. Die Ölparty ist vorbei, und eine vernichtende Klimakatastrophe ist in Sichtweite – wenn man denn endlich einmal die Scheuklappen abnimmt.

Harald Thielen-Redlich, Nimshuscheid

Ich bin Edwin Klein sehr dankbar, dass er die Fakten zur Elektromobilität allgemeinverständlich zusammengefasst hat! Meine Anregung an die Redaktion des Volksfreunds: Veröffentlichen Sie bitte seinen Leserbrief jede Woche, damit alle die Möglichkeit haben, ihn zu lesen! Wir unterstützen mit den Steuern die Lobbyarbeit unserer Politiker, egal welcher Couleur, für die Elektro-Auto-Industrie! Können wir das verantworten?

Barbara Theiß, Saarburg