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Bildung: Die reine Wahrheit, in klaren Worten

Bildung : Die reine Wahrheit, in klaren Worten

Zu den Artikeln „Bei den Liberalen gibt es so nur Verlierer“ (TV vom 3. Februar) und „,Verhalten ist zum Fremdschämen’“ (TV vom 4. Februar) schreibt Karl-Gustav Kwasny:

Ich kann dem kompletten Landtag nur empfehlen, einmal eine Sitzung der Landesschülervertretung (LSV) zu besuchen, da können sie wieder lernen, was grundlegende Demokratie, menschliche Nähe und soziale Wärme ist. Insofern passt diese erfahrene, mitten aus dem Schulleben kommende, gestandene Politikerin Helga Lerch nicht in den Ringelreigen im Mainzer Landtag, da wird dann gleich von politischer Unerfahrenheit fabuliert! Absoluter Quatsch!

Frau Lerch, mit der ich mehrere Male persönlich gesprochen habe, sagt einfach nur in klaren Worten die reine Wahrheit! Bildung ist ein ungeliebtes Stiefkind im Land, da wird eher ein Baubeschleunigungsgesetz für aus der Zeit gefallene Straßen beschlossen, als mehr Geld und Knowhow für die Bildung freizuschaufeln!

Frau Lerch sprach mit Recht von 105 Prozent für die Unterrichtsversorgung, wir Eltern namens Landeselternbeirat wissen, dass es sogar 110 Prozent sind – also Hunderte Lehrer, die akut fehlen, um 100 Prozent Unterrichtsversorgung nach Abzug von Krankheit, Fortbildung, Klassenfahrten und dergleichen mehr zu sichern!

Nicht umsonst sind wir am 28. März zum zehnten Mal in Mainz auf der Straße und fordern wieder eine Milliarde Euro für bessere Schulen und Bildung im Land! Von Bauzäunen umstellte Schulgebäude mit Sicherheitsdach über den Eingängen, weil Teile der Fassade abfallen, sowie heruntergekommene Toilettenanlagen zeugen von akuten Problemen, die mit dieser Milliarde dringend behoben werden müssen!

Und natürlich wissen wir Eltern bis zum heutigen Tag von „übergriffigen Lehrern“, dies dürfte sich allerdings reziprok zur Restgesellschaft im Promille-Bereich (auf 1000) bewegen. Deshalb bitte kein Generalverdacht auf die Lehrerschaft (!), aber erhöhte Aufmerksamkeit: Lehrer sind auch nur Menschen! Die Mobbing-Seiten im Internet sprechen eine deutliche Sprache, und manches Wort schmerzt oftmals mehr als eine tatsächliche Tat!

Leider ist die Beweislage stets dünn, seltenst wird videogefilmt, und wenn schon erwachsene sexuell Geschädigte oft so eingeschüchtert sind, dass sie lieber (lange) schweigen – siehe Hollywood! –, wie geht es da erst jungen, unerfahrenen Menschen, wenn sie im Schulleiterbüro vor einen kleinen Tribunal aussagen sollen? Gerade die Seil- und Freundschaften innerhalb eines Lehrerkollegiums führen dazu, dass gewisse Fälle auf dem ganz kleinen Dienstweg durch Versetzung gelöst werde, anstatt sie schonungslos aufzudecken!

Karl-Gustav Kwasny, Ürzig-Höhe