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Die Richtung ändern und ein neues Gleichgewicht finden

Die Richtung ändern und ein neues Gleichgewicht finden

Zum Artikel "Davos findet die Schuldigen: Die Banker" (TV vom 1. Februar):

Ein "weiter so" darf es nicht geben. Angesichts der durch die hemmungslose Gier verursachten Finanzkrise stellt sich die Frage, ob die Gesellschaft sich wieder hemmungslos in den Konsum stürzt oder einen neuen Lebensstil in gemeinschaftlichen Werten suchen will.

Die Rolle des Staates in einer Volkswirtschaft muss von Politik und Gesellschaft neu definiert werden. Europa hat die Chance, sich der amerikanischen Krankheit des Konsumdenkens zu entledigen.

Die Krise nötigt uns geradezu die Frage auf zu überdenken, ob die Völker, wenn die Wirtschaft wieder zu wachsen beginnt, sich nochmals in den Konsum stürzen oder die Krisen nutzen sollten, über eine andere Lebensweise nachzudenken. Ein neues Gleichgewicht zwischen Konsum und Arbeit und anderen menschlichen Zielsetzungen ist notwendiger denn je.

Überzogenes Konsumdenken betrifft nicht nur die Oberschicht in reichen Gesellschaften, sondern auch die breite Mittelschicht und weite Teile der Arbeiterklasse. Der soziale Marktwirtschaftsgedanke unseres Grundgesetzes muss wieder in den Vordergrund treten. Es muss um eine Sozialordnung gehen, die positive Sinnhaftigkeit und Ziele wie Gemeinwohlorientierung für menschliches Wohlergehen beinhalten.

Ob die aktuelle Krise zu diesem kulturellen Wandel führt, darf allerdings infrage gestellt werden, solange die Banken und die Finanzwelt nicht einer staatlichen Kontrolle unterzogen und nicht zur Rechenschaft gezogen werden und den hinterlassenen Schuldenberg der Staaten nicht den Steuerzahlern zurückzahlen müssen.

Von größter Bedeutung für ein neues Verständnis der Vorzüge einer gezügelten Wirtschaft und einer florierenden Gesellschaft sind Erziehung und Bildung. Investitionen in Bildungseinrichtungen, die imstande sind, Veränderungen bei den Werten zu erreichen, Veränderungen am Arbeitsplatz, Beschränkungen von Überstunden und Vereinbarkeit von Familie und Beruf, menschenwürdige Entlohnung der Arbeitsleistung sind notwendig zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Gesellschaftsentwicklungen sind aber träge und ändern ihre Richtung nur langsam und schrittweise. Die Politik ist aufgerufen, zusammen mit den Menschen die gegenwärtige Wirtschaftskrise in diesem Sinne zu nutzen, um für die Menschen neue Formen eines zufriedenen, guten Lebens zu finden.

Hans-Willi Triesch, Trier

Gesellschaft