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Politik: Die Sinne trügen nicht, das Urteil trügt

Politik : Die Sinne trügen nicht, das Urteil trügt

Zur Berichterstattung über den Zustand der Europäischen Union schreibt Heinz Erschens:

In Europa sind viele Populisten mit Abbrucharbeiten am demokratischen System beschäftigt. Es wird zerrieben von Einflüssen von außen und innen. Schuld an dieser Misere sind Faktoren wie Pandemie, Flüchtlingsströme, politische Spaltung Oststaaten gegen Weststaaten, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Zerwürfnisse mit Abspaltungstendenzen. Das alles zwingt Politiker zum Handeln. Der Druck auf sie, vor allem durch eine unruhig gewordene Öffentlichkeit, kann zu einem Aktionismus verleiten, der nicht unbedingt zur Problemlösung führt.

So sind auch konzeptlose Verordnungen zur Eindämmung der Corona-Viren schuld, dass Rechtspopulisten Auftrieb erhielten und aufgrund vielfältiger Initiativen zu einer neuen Blüte erwachsen konnten. Ultra-Rechte sind mit den sogenannten Querdenkern auf allen Demos gegen staatlich verordnete Corona-Maßnahmen eine Koalition eingegangen; meist geht es nicht um Corona, sondern um: Volk gegen Regierung, Globalisierungsverlierer gegen Globalisierungsgewinner, Beherrschte gegen Herrschende, Armut gegen Geld. Es geht meist nicht ums klassische Schema Rechts gegen Links, sondern um die Erkenntnis, dass scheinbar eine abgeschottete Finanzelite, ein paar Superreiche und global agierende Konzerne regelmäßig Krisen produzieren. Trotz dem unermesslichen monetären Reichtum auf der Erde verhungern Völker, und der Rest der Bürger und Staaten versinkt in Schulden. Geld ist nur Mittel zum Zweck, es zeigt aber sein wahres Gesicht in der Anwendung. Ob aufgrund der Pandemie mit viel Geld und Schulden die Verhältnismäßigkeit gewahrt ist, wenn alle Regierungen ihre Wirtschaft und alle sonstigen Aktivitäten im privaten und gesellschaftlichen Bereich stilllegen, ist schwer nachzuvollziehen. Die Überzeugung, dass all diese Maßnahmen mit der Pandemie-Eindämmung und deren nach sich ziehenden Problemen zu tun haben, ist vielen Betroffenen kaum zu vermitteln. Experten, Ökonomen und Virologen können die Lage ebenso falsch beurteilen wie Wirtschaftpolitiker, da niemand für eine Lösung auf eine richtungweisende Denkschablone zurückgreifen kann. Hier passen die Worte von Goethe: „Die Sinne trügen nicht, das Urteil trügt.“

Symbolpolitik ersetzt nicht das Handeln in der Eigenverantwortung. Verantwortung sollten aber auch einige Medien an den Tag legen, denn eine ständige negative Reputation von Impfstoffen kann gefährlicher sein als alle Virus-Mutanten.

Heinz Erschens, Kell am See