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Umwelt: Die Vernunft des einfachen Bürgers

Umwelt : Die Vernunft des einfachen Bürgers

Zum Artikel „Verrechnet, aber trotzdem richtig“ und zur Debatte über Schadstoffe in der Luft sowie zum Artikel „Schüler gehen erneut für Klimaschutz auf die Straße“ (TV vom 16./17. Februar) schreibt Philipp Heinen:

Wenn mir ein Arzt sagt: Nehmen Sie höchstens vier von diesen Tabletten pro Tag, dann nehme ich lieber drei. Oder: Trinken Sie höchstens eine Kanne Kaffee, dann ist eine halbe wahrscheinlich gesünder. Oder: Ich schlage einen Grenzwert von 50 bis 100 vor, dann wähle ich lieber 40. Das ist die Vernunft des einfachen Bürgers. Einfach und einleuchtend.

Übrigens war auch Auslöser für meine Anmerkung, dass ich von vagen „erheblichen sozialen“ Konsequenzen las. Wenn wir mal ehrlich sind, müssen überall Einschnitte gemacht werden – nicht nur beim Diesel.

Die weltweite Transportbranche, die Industrie und, und, und – bis zu mir als einfachem Bürger. Hier spielt die Moral, dort das Geld. Ich zumindest stehe nicht gerne mit meinem Fahrrad hinter dem Autoauspuff von Herrn Doktor Vogt, ob Diesel oder nicht, ist egal. Durch das Einatmen ist es mir gewisser als Wissen.

Dieses Thema und das Sichverteidigen eines Arztes gewichtet der Volksfreund mit dem Layout wesentlich mehr als die Kritik so vieler Schüler am Großen und Ganzen. Da radele ich gerne vom Autoauspuff zur Jugend. Der weltweite friedliche Schülerstreik für Klimaschutz sollte uns aber eigentlich hellhörig machen. Was sind vier oder fünf Tage Schule für ein nichtiger Unterschied? Wenn ein Sandsturm auf uns zukäme, sollten wir korrekterweise erst einmal anfangen zu rechnen. Wir sitzen alle schon viel zu eingelullt in unseren SUV-Sesseln vorm Plasmabildschirm eindösend. Ich auch. Versuchen wir mal, mit Verstand und Herz zu hören, zu fühlen und zu sehen. Der Schrei („Es reicht!“) so vieler Kinder und Heranwachsender sollte doch zumindest jede Mutter beunruhigen. Lasst uns ihnen zuhören! Die Jugend hat ein tieferes Klimabewusstsein und ein klareres Bewusstsein für die Notwendigkeit zum Handeln. Wir sind da eher eine störrische Wohlfühlgesellschaft, die genüsslich in den gesichtslosen Sonntagsbraten beißt und dabei über die Verwerflichkeit von Zigaretten diskutiert. Zum Nachtisch dann Etepetete: hat der Pudel heute schon sein Selfi gehabt? Die Jugend weiß, was wir schon lang darüber vergessen haben: dass wir doch alle nur Kinder der Erde sind.

Philipp Heinen, Trier