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Gesundheit: Die wahren Covidioten

Gesundheit : Die wahren Covidioten

Zum Artikel „Kommunen: Abstandhalten in Bussen ist nicht notwendig“ (TV vom 25. August) schreibt Joachim Sels:

Da hat nun (fast) die ganze Welt gelernt: Abstand halten, Maske tragen und Hände desinfizieren sind die wichtigsten Schutzmaßnahmen, um eine Ausbreitung des SARS-COV-2-Virus einzudämmen – wenn nicht gar zu verhindern. Und dann lese ich, dass Abstandhalten ausgerechnet in Schulbussen nicht notwendig sei. Ja, geht‘s noch? Oder gilt das nur für die wenigen „echten“ Schulbusse? Denn solche gibt es ja kaum noch. Und dann lese ich weiter, dass ein Bus als überfüllt gilt, wenn neben allen Sitzplätzen auch 70 Prozent der Stehplätze belegt seien. Langsam frage ich mich wirklich, wo denn eigentlich die wahren Covidioten sitzen? Irgendwo bei den Regelmachern in der Politik, wenn es um die Sicherheitsregelungen im ÖPNV geht, oder wirklich nur in der „Partyszene“? Für mich scheint auch mancher Politiker oder auch Verkehrsbetriebsmanager ein Covidiot, der meint, er könne auf Regeln zur Busüberfüllung zurückgreifen, die vor der Pandemie gegolten haben. Das Konzept des ÖPNV droht ernsthaft zu scheitern, wenn wir uns nicht mal langsam etwas einfallen lassen, wie der ÖPNV coronasicherer gemacht werden kann. Denkbar wäre der Einsatz von Anhängern, die verpflichtende Identifikation (wie auch in Restaurants). Und warum ist die Corona-App nicht Pflicht im ÖPNV? Härtere Strafen bei Regelverstoß: schön und gut. Aber wer soll die bitte durchsetzen? Denn die Rückverfolgung eines Infektionsweges scheint nahezu unmöglich, wenn die Infektion – Stand heute – in einem ÖPNV-Vehikel stattgefunden hat. Und bis dahin können wir froh sein über jedes Elterntaxi, das zu Stoßzeiten den ÖPNV entlastet. Hier wäre Gleichstellung bei Nutzung der Busspuren angesagt – wie das in anderen Ländern teilweise seit langem normal ist.

Joachim Sels, Ralingen