Karneval: Die Zeiten ändern sich

Karneval : Die Zeiten ändern sich

Zur Berichterstattung über die Krise der Fastnacht in der Region (TV vom 29. Januar) schreibt Rosi Nieder:

Wie schön war es noch, als man Büttenreden in der Fastnachtszeit dafür nutzen konnte, dörfliche und regionale Geschehnisse oder auch Weltereignisse in humorvoller Weise aufzuarbeiten. Doch die Zeiten haben sich verändert und auch das Verhalten unserer Gesellschaft. Wenn Veranstalter über den Mangel an Büttenrednern klagen, dann kann ich nur sagen, es gibt/gäbe sie noch. Aber vermutlich haben die meisten von ihnen die Erfahrung gemacht, dass der heutigen Spaßgesellschaft die Fähigkeit des Zuhörens abhandengekommen ist. Wer möchte schon auf der Bühne stehen mit einer liebevoll selbst gebastelten, wohlformulierten Büttenrede, wenn während eines Vortrags die Geräuschkulisse von Thekenstehern und ungenierte Unterhaltungen im Zuschauerraum ein Zuhören für die wenigen aufmerksamen Gäste unmöglich macht? Zuhören ist nicht mehr angesagt, eher lautes Mitklatschen bei Schlager-Humtata-Musik à la Oktoberfesten (natürlich extrem laut so wie auch bei den Umzügen) und Abfeiern.

Deshalb scheint es tatsächlich sinnvoll, für jeden Geschmack eine extra Fastnachtsveranstaltung zu organisieren, so wie die Prümer es machen oder wie die Kulturgemeinschaft Bitburg es erstmals versucht mit einem Mundart-Bütten-Wettbewerb. Da haben dann die echten Zuhörer und Genießer auch eine Chance, etwas zu verstehen. Ansonsten hoffe ich, dass die Fastnacht – in welcher Form auch immer – ob mit Kappensitzungen mit oder ohne Elferrat, ob mit großen oder kleinen Umzügen – bei uns auf dem Land weiterlebt und dass es nicht alle Karnevalisten nur noch in die überlaufenen Fastnachtshochburgen der angesagten Großstädte zieht.

Rosi Nieder, Herforst

Mehr von Volksfreund