Finanzen: Diskriminierend

Finanzen : Diskriminierend

Zu unserem Artikel „Kommunen bitten Heimkinder zur Kasse“ (TV vom 29. August) meint Karl-Heinz Stolz, Irrel:

Warum, fragte mich mein Pflegesohn, soll er 75 Prozent seiner Lehrlingsvergütung an den Staat zurückzahlen? Auf die Antwort, das ist so gesetzlich verankert, meinte er, das sei doch völlig unlogisch. Warum solle er etwas lernen, wenn der Staat sein Geld doch einsacken würde, und wofür es denn gebraucht werde?

Ich erklärte ihm, dass sich in Berlin ein Flugplatz schon jahrelang im Baustadium befindet, der Milliarden teurer wird als geplant, und wie es aussieht, auch noch Zig Milliarden mehr kosten wird und noch nicht feststeht, ob es überhaupt etwas wird. Dass in Stuttgart ein Eisenbahntunnel gebaut werden soll mit demselben Dilemma. Nicht zu vergessen den Nürburgring – auch eine riesengroße Geldverbrennungsmaschine. Als Nächstes wird wohl die Rechnung der ungültigen Mautvergabe ins Haus flattern.

Darauf fragte mich mein Enkel, was die denn überhaupt auf die Reihe kriegen. Darauf konnte ich ihm keine Antwort geben. Nur so viel konnte ich ihm sagen, dass in Trier von Pflegekindern insgesamt 24 458 Euro und von Heimkindern 32 234 Euro zurückgezahlt wurden. Ein Teil wurde ja auch für den Neujahrsempfang von Fraktionsmitgliedern gebraucht. Darauf meinte mein Enkel, das wäre ja wohl eine große Ungerechtigkeit.

In diesem Fall musste ich ihm recht geben. Menschen, die solche Gesetze machen, haben von der Realität null Ahnung. Einen jungen Menschen, der ins Berufsleben startet, so zu diskriminieren, kann dazu führen, dass er als Hartz-IVer endet. Ach ja, noch etwas zum Schluss: Keiner meiner Bekannten konnte es verstehen, und einige zweifelten und glaubten, ich würde mich irren.

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