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Gesellschaft: Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge ...

Gesellschaft : Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge ...

Zur Berichterstattung über den Anschlag von Hanau schreiben Rainer Landele, Ulrike Möhn und Manfred Schmitz:

Jetzt sind wieder alle betroffen, wird wieder gefragt: wieso, weshalb, warum? Zu Recht! Denn wie sonst soll die Gesellschaft den rechten Terror überwinden, wenn man nicht die Ursachen wahrhaben will?

Mir geht der Blick aber zu oft in die falsche Richtung: immer von einem selbst weg zu dem anderen, dem Gegner, dem Feind, dem Übel. Es ist wohlfeil, empört und betroffen auf andere zu zeigen – und sich selbst nicht zu betrachten.

Wer bestritt jahrzehntelang, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei? Die Kohl-CDU.

Wer behauptete, Multikulti sei gescheitert? Es war Bundeskanzlerin Merkel.

Wer sagte, der Islam gehöre nicht zu Deutschland? Es war der Innen- und Heimatminister Seehofer.

Wer sprach von Flüchtlingswelle, Asylmissbrauch, Anti-Abschiebeindustrie? Die gesamte sogenannte bürgerliche Mitte in Zeitungen, Wochenblättern und Talkshows.

Und wer warnte (unter anderem) zu Recht vor solchen Worten der (religiösen) Ausgrenzung? Es waren deutsche Juden. Die genau diese Mechanismen schon einmal erlebt hatten.

Jetzt sind wir also alle wieder betroffen. Auch in Trier. Doch wo bleibt dann endlich die für alle sichtbare Moschee, um zu zeigen, dass diese Menschen zu uns gehören? Wieso gibt es berechtigte Kritik an Vermietern, die Menschen muslimischen Glaubens oder nicht weißer Hautfarbe ablehnen?

Aber wenn eine katholische Kirche in Trier verkauft wird, dann darf per Vertrag eine religiöse Nutzung (durch Muslime) ausgeschlossen werden.

„Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen“ – trifft es perfekt.

Nun gut, anstatt Vorwürfe zu machen – die ja auch auf mich selbst zutreffen –, zum Abschluss nochmals zur politischen Forderung: Lasst uns eine Moschee bauen in Trier!

Rainer Landele, Trier

Wenn man so viele Jahre auf dem rechten Auge so blind war und es immer noch ist , indem man die Partei Die Linke mit der AfD gleichsetzt, dann haben CDU und CSU nichts dazugelernt, seit die NSU-Mörderbande zehn Jahre unbehelligt durch das Land ziehen konnte! Allein die Tatsache, dass die Angehörigen der damaligen Opfer ins Visier der Ermittlungen gerieten, war ein Skandal.

Wenn demokratische Parteien wie CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Die Linke es nicht schaffen, die AfD als das zu bezeichnen, was sie wirklich ist, dann werden solche Mordtaten kein Ende finden.

Die geistigen Brandstifter für solche Taten sind in der AfD beheimatet und sitzen in den Parlamenten. Leider auch in manchen politischen Talkshows. Das ist die eigentliche Schande für dieses Land! Die jahrzehntelangen Versäumnisse der Regierung angesichts des rechten Terrors können die Proteste und Demonstrationen der Zivilgesellschaft gegen rechtes Gesinnungsgut leider nicht ausgleichen. Auch Politiker sollten angesichts der großen Gefahr von rechts die Zivilcourage zeigen, die sie so gerne in ihren Reden von der Zivilgesellschaft einfordern.

Ulrike Möhn, Wittlich

Könnten wir sie doch alle aufspüren und aus unserer Gesellschaft ausstoßen, die hasserfüllten, menschlich gescheiterten Psychopathen, die brave Mitbürger umbringen, nur weil sie fremder Herkunft sind. Leider eine Illusion!

Ebenso wenig wie man den Menschen das Lieben abgewöhnen kann, wird man ihnen das Hassen abgewöhnen können! Was in Hanau geschah, zerreißt jedem anständigen Menschen in diesem Land das Herz, und jeder anständige Mensch nimmt Anteil am unbeschreibbaren Leid derjenigen, die einen Sohn, Tochter, Vater, Mutter, Enkel, Freund oder anderen Verwandten durch die Tat eines Scheusals verloren haben, mit dem anständige Deutsche nichts gemein haben.

Hanau wird das Klima vergiften und Gräben vertiefen, und wer in einer aufgeheizten Atmosphäre Augenmaß und Sachlichkeit anmahnt, gerät leicht in den Verdacht, auf der „anderen“ Seite zu stehen. Ich stehe – bei meiner Ehre – nicht auf der falschen Seite, sondern ganz fest zu Menschen mit Migrationshintergrund, die aus innerer Überzeugung zu unseren Regeln stehen.

Wir wären aber Gefangene im eigenen Land, dürften wir reale Probleme mit dem Islam, der oberste Weltordnung für sich beansprucht, nicht mehr ansprechen. Als Bürger eines Rechtsstaats behalte ich mir vor, nicht nur rechtsradikale Gesinnung, sondern jedwede andere politische und religiöse Ideologie aktiv zu bekämpfen.

Allerdings ist die Zeit sachlicher Auseinandersetzung in Deutschland vorbei, die Zeit guter Allgemeinbildung schon lange. Als Folge davon ist differenziertes Denken – quer durch alle Schichten – tot. Für die, die des Unterscheidens nicht mehr mächtig sind: Muslime sind keine Rasse, sondern Anhänger einer Religion. Folglich ist nicht jeder ein Rassist, der den Islam ablehnt!

Radikale Vertreter des Islam werden die Hanauer Tat dazu benutzen, den Rechtsstaat in Geiselhaft zu nehmen und Kritiker mundtot zu machen. Gerade darum dürfen wir nicht feige kuschen vor muslimisch motiviertem Terror, der uns gezwungen hat, unser Land mit wahnwitzigem Kostenaufwand zum Hochsicherheitstrakt aufzurüsten, dass Weihnachtsmärkte mit riesigen Betonklötzen verschandelt werden müssen, damit keine LKW in die Menge fahren können, und dass der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler, Publizist und Islamkritiker Hamed Abdel Samad – mitten in Deutschland – sein Haus nicht mehr ohne Polizeischutz verlassen kann, weil gegen ihn eine „Todesfatwa“ verhängt ist.

Sind wir selbst schon so schizophren, dass wir uns an Schizophrenien gewöhnt haben?

Nochmals: Jeder anständige Deutsche fühlt mit den Opfern in Hanau. Mitfühlen heißt aber nicht, dass wir keine Kritik mehr am Islam üben dürften, weil die Opfer möglicherweise Anhänger dieser Religion waren.

Manfred Schmitz, Flußbach