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Politik: Dumm und ärgerlich

Politik : Dumm und ärgerlich

Zu den Artikeln „Nicht Fisch, nicht Fleisch, wenn es um Drohnen geht“ (TV vom 17. Dezember), „Wehrbeauftragte: Bewaffnete Drohnen notwendig und geboten“ (TV vom 18. Dezember) sowie weiteren Beiträgen zu der Debatte schreibt Egon Sommer:

Klein und fast unauffällig berichtet die Presseschau des TV am 23. Dezember auf Seite 4 über einen Artikel der „Nürnberger Zeitung“, in der es zur Notwendigkeit bewaffneter Drohnen bei der Bundeswehr heißt: „Und verweisen darauf, dass etliche deutsche Soldaten, die in Afghanistan gefallen sind, noch leben könnten, wenn Drohnen nicht nur zur Aufklärung eingesetzt worden wären, sondern um aktiv einzugreifen“.

Allein schon die Umschreibung der Anzahl von toten Soldaten mit „etliche“, ist eine gedankenlose Respektlosigkeit vor den Opfern des unseligen Bürgerkrieges in Afghanistan. 27 deutsche Soldaten starben bisher bei diesem Einsatz der Bundeswehr. Hätte Deutschland nach Nine-Eleven auch den Kriegseinsatz in Afghanistan abgelehnt, wie es im Falle der amerikanischen Irak-Invasion geschehen ist, gäbe es heute keine 27 toten Bundeswehrsoldaten. Wer näher nachlesen will und kann, wird auch die Todesursachen erfahren können und dass bewaffnete Drohnen kaum ein Leben dieser Soldaten gerettet hätten.

Ebenso klein und unauffällig entdeckt der aufmerksame Leser eine weitere Botschaft auf Seite 7 derselben TV-Ausgabe vom 23. Dezember. „Kramp-Karrenbauer wirft SPD Feigheit vor“ heißt es da in der Überschrift.

Als Putzfrau Gretel im saarländischen Karneval hätte sie für diese Bemerkung im Streit um die Bewaffnung von Bundeswehr-Drohnen mit Sicherheit auch den Beifall einiger gedankenloser Zeitgenossen einheimsen können. Die im Artikel nachlesbare Scheinpräzisierung: „Das ist einfach feige. Und deswegen würde ich mir sehr wünschen, dass die SPD klipp und klar sagt, was sie will oder nicht will“ ist eine dumme und ärgerliche Anzüglichkeit. Was die SPD will oder nicht will, ist kein leichtfertiger Sachverhalt, den man auf polemische Art und Weise kolportieren darf.

Es hängt auch nicht von Aussagen der Wehrbeauftragten Eva Högl (SPD) oder etwa dem mittlerweile vom Verteidigungsausschuss zurückgetretenen Fritz Felgentreu (SPD) ab, die sich beide als Drohnen-Befürworter stellten. Wer es nun genauer wissen will, als es aus den Pressemeldungen hervor geht, hat jede Möglichkeit, die Argumentation gegen die Aufrüstung der Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen kennen zu lernen. Dr. Nina Scheer, SPD-MdB hat am 11. Dezember einen Essay zum Drohnen-Thema veröffentlicht, das alle Aspekte zu einer Entscheidungsfindung in der SPD umfassend beinhaltet.

Egon Sommer, Tawern