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Ein Aufreger - hoffentlich ohne Zukunft

Ein Aufreger - hoffentlich ohne Zukunft

Politik

Zum Artikel "Neue Straßen? Am Geld liegt's nicht!" (TV vom 18. Mai) sowie zu den Leserbriefen zum Thema (TV vom 20., 24. und 31. Mai):
Kaum ein Straßenbauprojekt erregt so die Gemüter wie der vor Jahrzehnten geplante Moselaufstieg zwischen Trier-Zewen und Igel zur Autobahn Richtung Luxemburg. Da schäumt ein Abgeordneter, der sich ansonsten für die Region verdient macht, vor Wut. Hat die Wut damit zu tun, dass sich regionale Politiker an diesem Projekt festgebissen haben und somit schon im dritten Jahrzehnt Stillstand verursachen?
Kritiker werden im höflichsten Fall als "alteingesessene Träumer", "Individualverkehrsgegner" und Demonstranten diffamiert, egal ob sie sinnvolle Alternativen benennen oder auf die kritischen Fakten sachlich hinweisen. Da wird bei der Hochstufung im Bundesverkehrswegeplan als wesentliches Element eines günstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses ein bereits bestehender Planfeststellungsbeschluss behauptet, obwohl dieser Beschluss vom Oberlandesgericht aus dem Verkehr gezogen wurde.
Da werden zwölf Millionen Euro für fünf Minuten Zeitgewinn des Bahnverkehrs von Trier nach Luxemburg verbaut; Fern- und Nahverkehr überqueren die Mosel weiter über eine eingleisige Fahrradbrücke. Gespräche über Alternativen für eine Moselbrücke mit Lösung der Bahnprobleme und des Straßenverkehrs werden mit der Luxemburger Regierung nicht geführt, obwohl diese den wesentlichen Teil der Kosten übernehmen würde. Aber diese Brücke liegt halt nicht in Konz und verbindet so nicht die Ortsumgehung Konz-Könen über die Mosel direkt mit einem Autobahnanschluss. Die Kooperationsbereitschaft Luxemburgs ist für viele Regionalfürsten offensichtlich genauso unwesentlich wie die Bürgermeinung und das Nachdenken über Lösungen, die längst realisiert sein könnten.
Hat der Trierer Stadtrat realisiert, dass er vor Jahren mit einer Stimme Mehrheit einen Grundsatzbeschluss gefasst hat, der von der Hochstufung im Bundesverkehrswegeplan ad absurdum geführt wurde? Eine Ortsumgehung Zewen, die nach Beschluss des Trierer Stadtrates vor Bau des Moselaufstiegs erfolgen muss, ist im Bundesverkehrswegeplan allenfalls nachrangig.
Die Trassenführung zwischen Igel und Zewen ist und bleibt eine nicht durchsetzbare Planung der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Jeder kann sich selbst ein Bild von diesem Plan machen, indem er von Zewen aus dem neuen Premiumwanderweg Moselsteig und damit bergauf der Linie der geplanten Trasse folgt. Erstaunlich, wie schlecht trotzdem der Informationsstand der Befürworter ist. Da wird im Konzer Stadtrat gesagt, dass die "Stelzenführung" auf der anderen Moselseite nicht mehr nötig ist; der Höhenunterschied zwischen Konz und der Autobahn in Höhe Herresthal ist aber in den letzten Jahrzehnten nicht geringer geworden. So wird es bis weit über die Hälfte des Anstieges massive Aufschüttungen geben. Diese Aufschüttungen werden nach dem Abholzen eines bisher unzerteilten Waldgebietes einen undurchdringlichen Wall zwischen Zewen und Igel bilden, dort, wo heute der Moselsteig viele andere Wanderwege trifft.
Wer sich die Simulation im TV angesehen hat oder wer sich selbst schon einmal ein Bild von der geplanten Trassenführung gemacht hat, weiß, dass hier nicht wiedergutzumachende Schäden durchgeboxt würden.
Einen ICE von Trier nach Berlin kann man aus dem Verkehr ziehen, ohne dass es jemand merkt. Eine in die Natur gebaute Fernstraße bleibt uns und unseren Nachkommen erhalten, unabhängig davon, ob sie Sinn gemacht hat oder nicht. Bei kalkulierten 60 Millionen Euro Kosten ist es dabei egal, ob das Geld vom Bund kommt: Es sind die Steuern der Bürger.
Wer starrköpfig für eine Lösung kämpft, die nicht umsonst in der Prioritätenliste zurückgestuft wurde und sie nun mit Taschenspielertricks wieder zu neuem Leben erweckt, verhindert sinnvolle, weil realisierbare Lösungen und treibt einen Keil zwischen die Menschen in der Region.
Dr. Bernd Steinmetz
Trier