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Ein bisschen Barmherzigkeit, bitte!

Ein bisschen Barmherzigkeit, bitte!

Zum Artikel "Koch: Arbeitspflicht für Arbeitslose" (TV vom 18. Januar):

Es ist sehr gut, dass der Trierische Volksfreund die Diskussion um die Hartz IV-Gesetze aufgreift. Ich habe die in dem Artikel angesprochene Fernsehsendung mit Sandra Maischberger gesehen, aber sie hat diesem Thema einen Bärendienst erwiesen. Sie hätte sich besser informieren sollen über die menschenverachtenden und vor allem bei alleinerziehenden Frauen oft praktizierte Wirklichkeit. Die nämlich kam am nächsten Abend in der ARD unter dem Titel "Abgestempelt" zur Sprache. In dieser Reportage wurden fünf Fälle von Hartz IV-Empfängern gezeigt, die mich sehr beschäftigt haben und über die ich mit meinen Freundinnen sprach. Es ging zum Beispiel um einen älteren Legastheniker, der keine Bewerbung schreiben kann. Er wurde aus seiner Wohnung geworfen und musste ins Obdachlosenheim ziehen. Ein ganzes Jahr lang hoffte er, seine Wohnung wiederzubekommen, aber dann waren auf einmal Mieter drin. Er hat gar nichts von der Stütze gesagt; damit war er aber zufrieden, denn mit der eigenen Wohnung war er doch noch etwas wert.

Und so ging es immer weiter. Es waren immer die Arge-Mitarbeiter, die diese Menschen oft bis zu zehn Mal mit Kürzungen der Leistungen und Nichtbeantworten der Anträge in bitterste Not getrieben haben. Das ist Willkür. Gibt es den Begriff Barmherzigkeit überhaupt noch? Das Hartz IV-Gesetz muss schleunigst zurückgebaut werden, sonst wird das mit Mord und Totschlag enden.

Die Reichen lassen sich ihr Geld nicht nehmen, das traut sich kein Politiker, egal welcher Partei. Aber mit den Millionen Deutschen, die in die bitterste Armut getrieben werden, dauert es halt etwas länger, bis sie sich wehren.

Wo sind eigentlich die alleinerziehenden Väter, die mit ihren Kindern zu Hunderttausenden in der "Arche" landen? Die ließen sich das nicht gefallen, aber mit den Müttern kann man das ja machen.

Hedwig Martini, Wintrich

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