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Politik: Ein großer, stiller Freund von Trier

Politik : Ein großer, stiller Freund von Trier

Zum Artikel „Danzigs Bürgermeister stirbt nach einem Messerangriff“ (TV vom 15. Januar) schreibt Henryk Sienkiewicz:

Der Volksfreund hat ausführlich über den tödlichen Anschlag auf Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz berichtet.

Nur wenige Menschen in der Region Trier wissen wahrscheinlich, wie gerne und wie oft sich Pawel Adamowicz privat in der Moselmetropole aufgehalten hatte. Als bekennender Europäer war er von dem Leben und Wirken in unserer Großregion, der Quadropole, begeistert.

In Trier wohnt und arbeitet als Arzt einer seiner besten Jugendfreunde.

Im Jahr 2011 wurde in Trier die große Ausstellung „Armut – Perspektiven in Kunst und Gesellschaft“, eröffnet. Zu den Hochkarätern dieser Ausstellung gehörte auch das monumentale Gemälde „Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit“, von Hans und Paul Vredeman de Vries gemalt im Jahre 1594, aus dem Danziger Rathaus.

 Dieses Gemälde zählt in Polen zu den Nationalgütern und bedarf beim Ausleihen und Transport einer besonderen Sorgfalt. So wurde das Gemälde bis zur polnisch-deutschen Grenze mit Polizeieskorte begleitet.

Bei den Verhandlungen zu den Leihmodalitäten stand Pawel Adamowicz den Trierern persönlich gern zur Seite. So empfing er die Leiterin des Museums Simeonstift, Dr. Elisabeth Dühr, nicht in seinem Rathaus, sondern in dem nur für besondere VIPs reservierten Artushof.

Pawel Adamowicz war ein volksnaher und beliebter Politiker. Seine Gegner warfen ihm ein zu großes Herz und mangelnde Härte vor und verpassten ihm den Spitznamen „Budyn“ (Pudding).

Selbstkritisch, jedoch mit einer  großen Portion Humor ausgestattet, beschenkte er bei seiner letzten und erfolgreichen Wahlkampagne seine Gegner und seine Befürworter mit Puddingteilchen.

Schade, dass dieser bekennende  Europäer und ein großer, stiller Freund von Trier so früh von uns gegangen ist.

Henryk Sienkiewicz, Trier